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Kommunen suffizient gestalten

In der Theorie sind Effizienz, Konsistenz und Suffizienz gleichrangige Stellschrauben, um eine nachhaltigere Gesellschaft zu erreichen. In der Praxis fristet letztere jedoch nach wie vor häufig ein stiefmütterliches Dasein. Dies überrascht umso mehr, da Suffizienzstrategien oft kostengünstig und schnell einen ökologischen Benefit versprechen und sich zugleich auch auf soziale Herausforderungen wie Vereinsamung positiv auswirken können. 

Ein kürzlich erschienenes Positionspapier des Deutschen Instituts für Urbanistik (difu) setzt sich vor diesem Hintergrund kritisch mit der Frage auseinander, warum Suffizienzpraktiken in Kommunen trotz einer angestrebten Klimaneutralität der Bundesrepublik bis 2045 nicht stärkere Beachtung finden. Es skizziert strukturelle Ansätze, wie diese kommunalen Potenziale gehoben werden können und zeigt, dass viele Städte und Gemeinden über starke Hebel verfügen, um einen Beitrag zur nachhaltigen Transformation der Gesellschaft zu leisten.

Suffizienz im kommunalen Kontext

Zum Einstieg bieten die Autoren einen Überblick zum Begriff der Suffizienz und dem Stand der Forschung. Dazu beleuchten sie die kritische Debatte in Schlaglichtern. Sie betrachten die konkurrierenden Lösungsansätze „Technikglaube“ versus „Degrowth“ sowie die Auswirkungen postfaktizitärer Sichtweisen, die in den letzten Jahren an Relevanz gewonnen haben. Zudem gehen sie auf das positive und negative Framing im Verzichtsdiskurs ein und skizzieren die Diskussion hinsichtlich der Frage, ob wirksame Suffizienzansätze eher auf individueller oder kollektiver Ebene zu verankern sind.

Kommunale Handlungsfelder

Anhand wichtiger kommunaler Handlungsfelder wie Verkehr, Mobilität, Gebäude und Konsum verdeutlichen die Autoren sodann einerseits die sozial-ökologischen Transformationspotenziale einer kommunalen Suffizienzorientierung. Zugleich machen sie auch deutlich, dass die damit verbundenen Vorteile nur zugänglich werden, wenn mittels politischer Gestaltung ein entsprechender finanzieller oder rechtlicher Rahmen geschaffen wird. Dies umfasst nicht nur die Attraktivitätsförderung suffizienter Handlungsoptionen, sondern zugleich auch die Abkehr von dem Ziel zuwiderlaufenden Leitbildern und Politikmaximen wie bspw. dem Postulat einer „autogerechten Stadt“.  

Best Practices für ein besseres Verständnis

In diesem Zusammenhang beleuchten die Autoren diverse thematisch und methodisch unterschiedliche Praxisbeispiele. Im Handlungsfeld Verkehr wird u. a. die preisgekrönte Lincoln-Siedlung in Darmstadt vorgestellt, bei der mittels einer Mischung aus Push- (zentrale Stellplatzvergabe, Parkraumbewirtschaftung) und Pull-Maßnahmen wie bspw. Sharing-Angeboten oder Fahrtguthaben das PKW-Aufkommen gemindert werden konnte und zugleich Synergieeffekte in Form einer gesteigerten Aufenthalts- und Lebensqualität erreicht wurden. Im Gebäudesektor werden Beispiele aus mehreren Städten zur Förderung der Suffizienz mittels gezielter gesamtstädtischer Strategien oder Wohnraumagenturen zur Optimierung einer flächensparenden Wohnraumversorgung vorgestellt. Für den Konsumbereich betont das Dokument den prioritären Fokus auf die Abfallvermeidung. Es zeigt, dass Kommunen einerseits selbst mit einer suffizienzorientierten Beschaffung einen ressourcenschonenden Beitrag leisten können. Andererseits steht ihnen ein großes Repertoire an Möglichkeiten zur Verfügung, mit denen sie indirekt positiv auf eine Verminderung des lokalen Abfallaufkommens wirken können. Mittels geeigneter regulatorischer Maßnahmen, Förderangeboten oder Kampagnen können sie zur Schaffung von Sharing-Angeboten oder der Gründung und Arbeit lokaler Initiativen beitragen, die bspw. mit Urban-Gardening-Projekten oder Repair-Cafés einen positiven Beitrag zur sozial-ökologischen Transformation hin zu einer ressourcensparenderen Gesellschaft leisten. 

Fazit 

Die Ausführungen zeigen anschaulich, wie ressourcenschonende Lebensstile in Städten und Gemeinden systematisch gefördert und entwickelt werden können. Die abschließenden elf Handlungsempfehlungen zur verstärkten Implementierung von Suffizienz als Prinzip zur Erreichung kommunaler Klima- und Ressourcenschutzziele unterstreichen die hohe Praxisrelevanz der Publikation für kommunale Akteure aus Politik und Verwaltung. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen seines kompakten Umfangs von lediglich rund 20 Seiten bietet das Dokument daher einen guten Einstieg in das Querschnittshema „Suffizienz im kommunalen Kontext.”

Das Dokument „Weniger bringt mehr: Suffizienz im kommunalen Klima- und Ressourcenschutz“ kann hier kostenfrei heruntergeladen werden.