Nutzen, was man hat

In dieser Woche möchten wir Ihnen die erste Stufe der Anti-Verbraucher-Pyramide vorstellen. Die größte und wichtigste Stufe der Pyramide sieht vor, zunächst das zu benutzen, was man bereits hat, ohne dafür neue Dinge konsumieren zu müssen.

Der Upcycling-Laden K.W.D.

©Deutsche Umweltstiftung

Passend zu diesem Konzept haben wir für Sie den Upcycling – Laden K.W.D. im Berliner Stadtteil Friedrichshain besucht. Die Designerin Katja Werner hat uns Einblicke in ihre Arbeit und die Entstehung ihrer Produkte gewährt.

So hat alles angefangen…

Eigentlich hat Katja Werner keinen Hintergrund im Produktdesign oder Handwerk, sondern hat Graphikdesign studiert. Durch ihre Passion auf Flohmärkte zu gehen und dort spannende Funde zu machen, ist die Initialzündung entstanden, aus recycelten Materialien Produkte zu entwerfen. Im Jahr 2007 hat sie dann mit ihrem eigenen Produktlabel K.W.D. begonnen, womit sie sich ihren Wunsch erfüllen konnte, im Beruf ökologische Verantwortung zu übernehmen.

Seit nun schon 12 Jahren kreiert sie aus alten Fahrradschläuchen, Kassenbändern und Luftmatratzen neue Artikel wie beispielsweise Portemonnaies, Rucksäcke und Accessoires wie Schlüsselanhänger oder Schlüsselbretter aus Fahrradventilen. Wichtig ist ihr dabei, dass die vermeintlichen „Abfälle“ zweckentfremdet werden und dadurch bei den Kunden eine Überraschung hervorrufen. Ein gutes Beispiel dafür ist ein derber, alter Schlauch, aus dem Katja Werner ein feines Portemonnaie mit edlem Stoffinnenfutter hergestellt hat. Sie hat Spaß daran, mit den Materialien und Kontrasten zu spielen, um unerwartete Effekte hervorzubringen. 

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Vermeintlichen „Müll“ zu neuem Leben erwecken – so funktioniert das Upcycling-Prinzip. Alle Produkte, die Katja Werner entwirft, sind Unikate, die aus Spielsinn und Erforschen mit recycelten Materialien entstanden sind. Die Wiederverwendung von Material ist oft mit einem höheren Aufwand als die Neuproduktion verbunden, denn das Material muss besorgt, geprüft und dann gegebenenfalls gereinigt und weiterverarbeitet werden. Dies mache laut Katja Werner aber genau die Seele der Produkte aus.

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Dieses Bild zeigt einen Kronleuchter, den Katja Werner auf der Straße gefunden hat. Sie hat ihn mit Zahnbürsten upgecycelt, die sie über vier Jahre hinweg gesammelt hat. Zu der Frage, wie sie auf diese kreativen Ideen kommt, antwortet sie: „Manchmal finde ich etwas und weiß zuerst gar nicht, was ich daraus machen kann. Dann schleiche ich einige Male drum herum und schaue es mir immer wieder an, bis ich eine Idee im Kopf habe.“ Vieles müsse zunächst einfach ausprobiert werden, bis dann ein Resultat heraus komme, mit dem sie zufrieden sei.

Die Materialen für die Produkte

Katja Werner stellt alle ihre Produkte selbst her und versucht hierfür kontinuierlich  neue Materialien zu finden, die sich zum Upcyclen eignen. Die aktuellste Entdeckung ist ein sogenanntes Flexzelt, das für Events draußen wie beispielsweise Festivals oder Hochzeiten verwendet wird und sich durch eine extrem hohe Belastbarkeit auszeichnet. Durch die reißfesten, wasserdichten und UV-stabilen Eigenschaften verwendet die Designerin die Reste des Zelts für ihre Fahrradtaschen.

©Deutsche Umwelstiftung

Auf dem Fahrrad erkennt man eine Fahrradtasche aus alten Schläuchen und Flexzelt. Rechts daneben befinden sich stabile Taschen aus Kassenband, beispielsweise für den Transport von Holz.

Da neue Materialen eine jeweils individuelle Beschaffenheit aufweisen, lernt Katja Werner immer wieder neue Methoden zum Verarbeiten. So kann sie ihr Portfolio durch die erlernten Fähigkeiten mit weiteren Kunstwerken vergrößern. Um neue Materialquellen zu finden, muss die Designerin Netzwerke aufbauen. Oft entdeckt sie selbst auf Flohmärkten, Schrottplätzen oder auf der Straße Materialen, die sie noch weiter verarbeiten kann. Teilweise kommen Privatpersonen oder Unternehmen aber auch direkt auf sie zu und bieten ihr Materialien an, von denen sie denken, dass es zu schade wäre, diese wegzuwerfen.

Nachhaltigkeit als Thema

Die Designerin bezeichnet Nachhaltigkeit als das Thema ihrer Produkte. Das sei zwar nicht der Motor ihres Handelns, spiele aber eine große Rolle in ihrer täglichen Arbeit. Bei der Produktion ihrer Produkte achtet sie darauf, möglichst alles zu verwerten und überlegt sich Alternativen, was sie mit übrigen Materialresten machen kann.  So freuen sich zum Beispiel Kindergärten über Reste der Produktion zum Basteln mit den Kindern.

Zudem wägt Katja Werner ab, wann es sich aus ökologischer Perspektive lohnt, etwas zu recyceln. Wenn Materialien extrem verschmutzt sind, müsste eine große Menge an Ressourcen aufgewendet werden, um diese zu reinigen – dadurch geht der Nachhaltigkeitsaspekt verloren. Neben dem Einsparen von Ressourcen ist die Bewusstseinsbildung ein großer Pluspunkt ihrer Arbeit. Durch die kreativen Produkte werden Menschen dazu inspiriert zu hinterfragen, ob bestimmte Dinge tatsächlich in den Mülleimer wandern müssen oder ob daraus noch etwas Kreatives geschaffen werden kann.

Bewusster Konsum als Leitidee der #kaufnix-Kampagne

Diese Grundidee, auf der die Arbeit von Katja Werner aufbaut, ist auch die Basis unserer Kampagne. Wir alle sollten unseren Konsum hinterfragen. Und bevor wir ohne nachzudenken etwas kaufen, sollten wir zunächst überlegen, ob wir nicht zu Hause etwas finden, das wir verwenden oder upcyceln können.

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Für mehr Informationen zu K.W.D

Libauer Strasse 1
10245 Berlin
Deutschland

Tel. +49 (0)30. 61073577
Fax +49 (0)30. 61073578

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