Wie suffizient leben Sie?

Buchvorstellung: „Der Wachstumszwang“ – ein Gastbeitrag von Prof. Matthias Binswanger

Über lange Zeit leistete das Wirtschaftswachstum einen positiven Beitrag zum Wohlbefinden vieler Menschen. Im Vergleich zu früher können wir uns eine luxuriöse Lebensweise leisten und wir leben im Durchschnitt auch wesentlich länger und gesünder. Doch in neuester Zeit wird es in den wohlhabenden Ländern in Westeuropa, Nordamerika und Japan zunehmend fraglich, ob das Wachstum noch einen Beitrag zum Wohlbefinden der Menschen leistet.
Mathias Binswanger ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten und Privatdozent an der Universität St. Gallen und zeigt in seinem Buch „Der Wachstumszwang“ warum die Volkswirtschaft immer weiterwachsen muss, selbst wenn wir genug haben.

Im folgenden Gastbeitrag gewährt Prof. Mathias Binswanger einen Einblick in das Buch.

Foto: Webseite von Mathias Binswanger

Gastbeitrag von Mathias Binswanger

Seit Beginn der ersten industriellen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts in England ist Wirtschaftswachstum nach und nach in fast allen Ländern dieser Erde zu einem Dauerzustand geworden. Ein Wachstum des Bruttoinlandprodukts gilt als Anzeichen einer funktionierenden Wirtschaft, während ein Ausbleiben von Wachstum als pathologische Störung empfunden wird. Schon ein Jahr ohne Wachstum führt zu grosser Nervosität in Politik und Wirtschaft, und man versucht alle Hebel in Gang zu setzen, um wieder auf den Wachstumspfad zurück zu gelangen. Und wächst eine Wirtschaft gar ein paar Jahre nicht, wie das in Griechenland von 2008 bis 2013 der Fall war, dann wird daraus eine nationale Katastrophe. Doch warum sind die nach der industriellen Revolution entstandenen kapitalistischen Wirtschaften dermassen auf Wachstum fixiert?

Dafür gibt es tatsächlich einen Grund. Wächst die Wirtschaft, kann eine Mehrheit der Unternehmen Gewinne erwirtschaften und ist somit wirtschaftlich erfolgreich. Bleibt das Wachstum jedoch über mehrere Jahre aus, dann machen immer mehr Unternehmen Verluste und verschwinden vom Markt. Auf diese Weise gerät die Wirtschaft in eine Abwärtsspirale mit steigenden Verlusten, sinkender Nachfrage und steigender Arbeitslosigkeit, aus der man nur mit Wachstum wieder herauskommt. Es gibt somit zwei Alternativen: Wachstum oder Schrumpfung.

Zu einer Schrumpfung kommt es aber im Normalfall nicht, weil Unternehmen aus eigenem Interesse stets möglichst hohe Gewinne erzielen wollen, was sich wiederum nur mit ständigen Investitionen in neues und besseres Kapital erreichen lässt. Deshalb wurde der Wachstumszwang, obwohl er seit der Entstehung kapitalistischer Wirtschaften im 19. Jahrhundert existiert, kaum als solcher wahrgenommen. Man sah vor allem den Wunsch nach Verbesserung der Lebensbedingungen und nach mehr materiellem Wohlstand. Doch heute werden sich die Menschen in hochentwickelten Ländern zunehmend bewusst, dass Wirtschaftswachstum zwar das Versprechen von steigendem materiellen Wohlstand eingelöst hat, aber trotzdem wesentliche Bedürfnisse unerfüllt bleiben. Die Menschen werden mit noch mehr materiellem Wohlstand nicht mehr glücklicher oder zufriedener. Und wir sehen auch, dass Wirtschaftswachstum die Umwelt belastet.

Aus dem Heilsversprechen des Wachstums auf eine bessere Zukunft wird so zunehmend eine Zwangshandlung. In Ländern wie Deutschland oder der Schweiz wird die Forderung nach weiterem Wachstum deshalb kaum mehr damit begründet, dass es uns in Zukunft ein noch besseres Leben ermöglicht. Stattdessen wird uns Wachstum als Zwang präsentiert. Bei geringem oder ausbleibendem Wachstum würden wir gegenüber anderen Ländern zurückfallen, als Wirtschaftsstandort an Attraktivität verlieren, an Innovationskraft einbüßen und vor allem Arbeitsplatzverluste erleiden. Also müssen wir weiterwachsen, auch wenn wir dies gar nicht mehr wollen! Genau das ist der Wachstumszwang.

Der eben beschriebene Zusammenhang zwischen Wachstum und Gewinnen wird bis heute allerdings kaum thematisiert. Das liegt vor allem daran, dass die an Universitäten gelehrten Wachstumstheorien diesen Zwang gar nicht erkennen können. Die Wirtschaft wird dort nur von der Angebotsseite her betrachtet, und es stellt sich weder die Frage nach der Finanzierung von zusätzlichen Investitionen, noch die Frage, ob man die produzierten Produkte auch verkaufen kann und Gewinne erzielt. Deshalb ist es notwendig ein realistischeres Bild des Wachstumsprozesses zu vermitteln, wo der Zusammenhang zwischen Geldschöpfung, Investitionen, Wachstum und Gewinnen dargestellt wird. Erst dann lässt sich auch nachvollziehen, weshalb die Aufrechterhaltung des Wachstums in hochentwickelten Ländern immer mehr Anstrengungen erfordert. Es genügt nicht mehr vorhandene Bedürfnisse der Konsument*innen zu decken, sondern es müssen stets neue Bedürfnisse geweckt werden um den Verkauf weiter anzukurbeln. Doch kapitalistische Wirtschaften haben mittlerweile nicht nur ein hohes Innovationstempo erreicht, sondern auch eine Meisterschaft in der Weckung von neuen Bedürfnissen.

Ein Ende des Wachstums ist deshalb trotz stetigen Unkenrufen bis heute nicht in Sicht. Die Weltwirtschaft wächst nach der kurzen Unterbrechung durch die jüngste Finanzkrise im Jahr 2009 wieder regelmässig mit Wachstumsraten zwischen 2 Prozent und 4 Prozent. Die ganze Geschichte der kapitalistischen Wirtschaft war schon immer begleitet durch Prognosen über ihr baldiges Ende und vor allem das Ende des Wirtschaftswachstums, wie es etwa der Club-of-Rome-Bericht im Jahr 1972 prognostizierte. Doch davon kann keine Rede sein. Der Wachstumsdrang hat bis heute alle vermeintlichen Wachstumsbarrieren aus dem Weg geräumt, und auch der momentan viel diskutierte CO2-Anstieg hat bisher nichts daran geändert. Deshalb wächst der globale CO2-Ausstoß weiter an, obwohl die Wertschöpfung immer weniger CO2-intensiv ausfällt.

Über den Autor
© Mathias Binswanger

Mathias Binswanger ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten und Privatdozent an der Universität St. Gallen. Er war zusätzlich Gastprofessor an der Technischen Universität Freiberg in Deutschland, an der Qingdao Technological University in China und an der Banking University in Saigon (Vietnam). Mathias Binswanger ist Autor von zahlreichen Büchern und Artikeln in Fachzeitschriften und in der Presse. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Makroökonomie, Finanzmarkttheorie, Umweltökonomie sowie in der Erforschung des Zusammenhangs zwischen Glück und Einkommen.

Buchinformation

Autor: Mathias Binswanger
Titel: Der Wachstumszwang – Warum die Volkswirtschaft immer weiterwachsen muss, selbst wenn wir genug haben
Verlag: Wiley-Verlag, Weinheim
Erscheinungsjahr: 2019
ISBN: 978-3527509751

Kaufen: Wenn schon, dann richtig!

Foto: stevepb/Pixabay

Während des bisherigen Verlaufs der #kaufnix-Kampagne haben wir Ihnen verschiedene Alternativen zum Kaufen vorgestellt. Wenn man manchmal allerdings doch etwas neu kaufen muss, lässt sich dies trotzdem nachhaltig gestalten! Darüber möchten wir Sie in dieser Woche unserer Kampagne informieren, denn die letzte und kleinste Einheit der Anti-Verbraucher-Pyramide ist die Rubrik ,,Kaufen’’.

Konsum bestimmt unseren Alltag: 5,2 Milliarden Kleidungsstücke besitzen die Deutschen, 18 Millionen Tonnen unserer Lebensmittel werfen wir jährlich weg und ganze 97 Prozent von uns haben ein Handy. Innerhalb der Kundschaft macht sich oft ein Gefühl der Machtlosigkeit breit, wenn es an die Beurteilung der Nachhaltigkeit von diesen Produkten und deren Erwerb geht. Gründe hierfür sind unter anderem die mangelnde Transparenz der Hersteller*innen und fehlende Kennzeichnungen. Um trotzdem nicht den Überblick zu verlieren, werden wir im Folgenden einige Tricks verraten, um beim Kauf von Lebensmitteln, Kleidung und Technik eine nachhaltige Entscheidung treffen zu können.

Etliche Label und Zertifikate sollen Entscheidungshilfen beim nachhaltigen Einkaufen geben. Oft wissen Kaufende allerdings gar nicht, was sich hinter einzelnen Labels verbirgt. Quelle: Zukunftsinstitut.

Lebensmittel

50 Prozent der in Europa hergestellten und importierten Lebensmittel werden noch vor ihrem Verzehr entsorgt. Der Großteil dieser enormen Verschwendung geschieht hierbei in unseren eigenen vier Wänden.

Um dem Wegwerfen unverbrauchter Lebensmittel entgegenzuwirken, ist es von Vorteil, sich vor jedem Einkauf einen Einkaufsliste anzulegen. Wenn man schon zu Beginn der Woche plant, was auf dem Speiseplan steht, kauft man keine unnötige Ware, die letztendlich nur im Abfall landet. Durch einen bewussten Besuch im Lebensmittelladen spart man zusätzlich Zeit, die man sonst mit überflüssigem Grübeln verbracht hätte.

Raphael Fellmer ist sogar noch einen Schritt weitergegangen. Er rettet bereits weggeworfene Lebensmittel und „belebt sie wieder“. In seinen „Rettermärkten“ werden Lebensmittel mit offiziell überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum von herkömmlichen Supermärkten aufgekauft und zu einem günstigerem Preis angeboten. Irrsinnigerweise landen in den Regalen Lebensmittel, die noch viele weitere Wochen, Monate oder sogar Jahre genießbar sind.

Das SirPlus-Team um Raphael Fellmer (vorne rechts) bei der Eröffnung des Rettermarktes in Berlin-Steglitz. Foto: avocado-blog.de.

Lästiges Verpackungsmaterial, meistens aus Plastik, kennen wir alle. Diesem können Sie einen Strich durch die Rechnung machen, indem Sie Unverpacktläden besuchen und sich Pasta, Nüsse oder Gewürze in ein Behältnis abfüllen. In normalen Supermärkten lässt sich dieses Konzept jedoch auch umsetzen. Selbst mitgebrachte Jutebeutel, Obstnetze und der Griff zur unverpackten Variante des Gemüses vermeiden weiteren Verpackungsmüll und senken langfristig die Nachfrage nach Plastikverpackungen.

Neben den Verpackungsmaterialen stellen auch die Transportwege unserer Lebensmittel ein großes Problem dar. Tomaten aus Spanien sind nicht nur mit Pestiziden belastet, die sowohl der Umwelt als auch den Konsumierenden selbst schaden, sondern legen auch einen weiten Weg zurück. Das CO2, welches dabei freigesetzt wird, lässt sich vermeiden, indem man regionale und saisonale Produkte konsumiert. Momentan wird in Deutschland fleißig Spargel und Blumenkohl geerntet und seit Kurzem gibt es wieder frische Erdbeeren und Aprikosen!

Auch der Besuch im Restaurant oder Café lässt sich nachhaltiger gestalten, indem Sie eigene Mehrwegbecher zum Befüllen bzw. Brotdosen für übrig gebliebenes Essen mitbringen.

320.000 Coffee-to-Go-Becher landen stündlich im Müll – und das alleine in Deutschland.
Foto: filmbetrachterin/Pixabay

Einige Obst-, Gemüse-, oder Kräutersorten im Garten, auf dem Balkon oder in einer gepachteten Gartenparzelle anzulegen, sorgt außerdem für das Vermeiden von Transportwegen und pestizidbelasteten Lebensmitteln. Dieser Trend breitet sich unter dem Namen ,,Urban Gardening’’ auch unter vielen Stadtbewohner*innen aus.

Kleidung

Dass es in der Kleidungsbranche oft nicht ,,sauber“ zugeht, ist vielen von uns mittlerweile bewusst. Unfaire Löhne, unsichere Arbeitsbedingungen und krebserregende Färbe- und Bleichmittel prägen die Produktionsketten der Modeindustrie. Was können Sie tun, um sich als Endverbraucher*in mit gutem Gewissen einzukleiden?

Am Anfang einer jeden Anschaffung sollte die Überlegung stehen, ob man wirklich ein neues Kleidungsstück braucht. Oft endet spontanes Kaufen in Fehlkäufen, die nie wieder getragen werden. Die nachhaltige Alternative hierzu ist, sich für Kleidung zu entscheiden, die langfristig getragen werden kann. Eine qualitativ hochwertige Winterjacke in einer neutralen Farbe ist zeitlos und wird problemlos über mehrere Jahre als treue Begleiterin dienen.

Entscheidend ist außerdem die Pflege der Kleidung. Wenn die Winterjacke nun jeden Tag gewaschen wird, sinkt natürlich die Ökobilanz. Eine sparsame Einteilung der Waschgänge bei niedrigen Temperaturen (Kleidung wird schon bei 30 Grad wunderbar sauber) und ein Bio-Waschmittel, welches das Abwasser und Ihre Haut nicht mit giftigen Chemikalien belastet, machen Ihre Kleidung nachhaltiger.

Genau wie in der Lebensmittelindustrie gibt es auch bei Kleidung verschiedene Siegel, welche Richtlinien zur Herstellung und Verarbeitung der Produkte voraussetzen. Leider sind diese oft nicht sehr bekannt bzw. es herrscht eine fehlende Transparenz gegenüber den Konsumierenden. Zwei der am weitesten verbreiteten und strengsten Siegel möchten wir gerne vorstellen:

IVN 

Der internationale Verband der Naturtextilwirtschaft erhebt höchste Ansprüche und gilt als das am strengsten vergebene Siegel. Die Richtlinien sind unter anderem, dass die Kleidung zu 100 Prozent aus biologisch erzeugten Naturfasern besteht und dass auf die Verwendung zahlreicher giftiger Chemikalien verzichtet wird. Zusätzlich müssen die Hersteller*innen existenzsichernde Löhne für Anbau und Verarbeitung garantieren können.

Das Siegel des internationalen Verbands für Naturtextilwirtschaft
Quelle: stadelmann-natur.de

GOTS

Das „Global Organic Textile Standard“-Siegel verspricht einen Mindeststandard für Naturtextilien. Kleidung muss zu mindestens 70 Prozent aus biologisch erzeugten Naturfasern bestehen und es gelten strenge Anforderungen in den Bereichen Abwasserklärung, Energieverbrauch. Die sozialen Standards orientieren sich an denen der International Labour Organisation. Besteht die Kleidung zu mindestens 95 Prozent aus biologisch erzeugten Naturfasern, wird der Zusatz ,,organic“ vergeben.

Das Siegel des Global Organic Textile Standard
Quelle: naturtextil.de

Neben den Siegeln gibt es natürlich auch Modelabel, die auf Nachhaltigkeit setzen oder auf eine nachhaltigere Produktion umstellen. Der Onlineshop ,,Avocado’’ bietet zum Beispiel eine Auswahl an nachhaltigen Marken an. Darunter ist die Firma ,,Greentee’’, welche zu fairen und sozialen Bedingungen in Europa produzierte T-Shirts aus Biobaumwolle anbietet. Des Weiteren verkauft ,,THOUGHT-BRAINTEE’’ Kleidung aus Hanf-, Bambus-, und Sojabohnenfasern, welche mit der FairTrade Association produziert wird.  Die Firma ,,WIEDERBELEBT’’ arbeitet mit Überschüssen aus der Textilindustrie ohne neue Rohstoffe zu verwenden. Durch diese Form des Upcyclings wird der Energie-, und Wasserverbrauch zu 90 Prozent reduziert. Bei der Herstellung und Verarbeitung in Stuttgart werden von jedem Stück nur 50 Exemplare hergestellt, um dazu beizutragen, dass der Wert von Kleidung wieder mehr geschätzt wird.

All diese Namen sind bisher noch nicht jedem bekannt, doch auch Mainstream-Marken wie z.B. Adidas versuchen Nachhaltigkeit in ihre Philosophie zu integrieren. Adidas stellte bei der Klimakonferenz 2015 einen Schuh aus recyceltem Meeresplastik vor. Die Kollektion wurde später um Sportkleidungsartikel erweitert und fand in Kooperation mit Parley for the Oceans statt. Die Stoffe bestehen teilweise aus recycelten Plastikfasern. Die Kollektion stieß auf großen Anklang und die Idee, dass in Zukunft große Modelabel mit recycelten Stoffen arbeiten, schien vielversprechend.

Werbefoto für Adidas Kooperation mit Parley for the Oceans
Quelle: businessinsider.de

Leider stellte sich Adidas Kampange als ,,Greenwashing“ heraus, da die Mischfasern später nicht wieder recycelt werden können und somit eindeutig nicht nachhaltig sind. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass sich der recycelte Plastikmüll generell nicht für die Wiederverarbeitung in Kleidung eignet, da sich Mikropartikel beim Waschen lösen und als Mikroplastik erneut ins Abwasser gelangen. Der Müll kehrt dorthin zurück, wo er eigentlich dauerhaft entfernt werden sollte. Als Adidas mit den ,,Downcyling’’-Argumenten konfrontiert wurde, konnten keine konkreten Aussagen über den Plan zur Entsorgung der Artikel getroffen werden.

Das traurige Fazit lautet also: Kund*innenköder durch die Besetzung eines emotionalen Themas. Vielleicht wurde durch die mediale Aufmerksamkeit wenigstens mehr Bewusstsein für das Plastikproblem geschaffen und andere Marken dazu motiviert auf eine tatsächlich nachhaltige Produktion umzustellen.

Technik

Technik ist der bisher wohl am wenigsten von nachhaltiger Produktion geprägte Bereich des Konsums. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass hier am wenigsten Transparenz vorliegt und oft bloß auf die Energieeffizienz der Geräte geachtet wird, jedoch nicht auf die Herstellung. Zudem gibt es beim Kauf technischer Produkte bisher kaum bekannte Siegel, die einen fairen Handel garantieren, da die Produktionsketten noch verstrickter sind als in anderen Branchen. Oft handelt es sich jedoch um Kinderarbeit und unmenschliche Arbeitsbedingungen sowie unfaire Löhne. Die Abbaugebiete selbst sind oftmals umstrittene Bereiche oder Kriegsgebiete.

,,Faire Technik gibt es nicht’’

Umweltexperte Dirk Petersen der Hamburger Verbraucherzentrale

Das derzeit transparenteste und strengste Siegel ist von der schwedischen ,,Tjänstemännens Centralorganisation’’ , kurz: TCO. Es berücksichtigt neben effizientem Stromverbrauch auch die Langlebigkeit der Produkte, die sozialen Standards während der Herstellung, die Gesundheit der Verbraucher*innen und die Materialrückgewinnung. Alle drei Jahre wird eine neue Generation der TCO-Kriterien veröffentlicht, um einen Anreiz für einen kontinuierlichen Fortschritt zu geben.

Nicht nur ressourcenschonend, sondern auch fair ist das Fairphone des niederländischen Gründers Bas van Abel. 2013 startete er eine Crowdfunding-Kampagne in deren Rahmen 25.000 Unterstützer*innen ein Fairphone noch vor der Herstellung bestellten. Mittlerweile gibt es das nachhaltige Smartphone schon in der zweiten Generation und es wird weiterhin an noch mehr Fairness im Herstellungsprozess gearbeitet. Der Fokus des Fairphones liegt auf der Verwendung konfliktfreier Rohstoffe, Haltbarkeit, fairen Löhnen und Produktionsbedingungen.

Wenn das Fairphone kaputt geht, lassen sich einzelne Bestandteile unkompliziert austauschen
Foto: shop.fairphone.com

Als allgemeinen Verhaltenskodex beim Kauf von Technik lässt sich sagen, dass die Langlebigkeit der Produkte enorm wichtig ist. Große Elektrokonzerne sind schon oft in den Verdacht geraten ,,unreparierbare’’ Geräte herzustellen, damit sich nach deren Verschleiß möglichst neue, teurere angeschafft werden. Wenn ein Produkt wirklich ausgetauscht werden muss, gibt es Recyclingmethoden für Elektrogeräte. Sie können teilweise eingeschmolzen und wiederverwendet werden.

Nachhaltig kaufen lohnt sich

Lebensmittel, Kleidung und Technik sind essentielle Bestandteile unseres Alltags. Im alltäglichen Trott ist es ein Leichtes, die Augen vor den vielen Schattenseiten unseres Konsumverhaltens zu verschließen. Außerdem ist es ein Leichtes, zum Mainstreamprodukt zu greifen. Jedoch lohnt es sich, es anders zu machen.

Kaufen kann in vielerlei Hinsicht nachhaltig gestaltet werden, wenn Sie auf die richtigen Aspekte achten und nicht immer zu dem greifen, was momentan beworben wird. Qualitätsvolle Produkte werden Sie problemlos langfristig begleiten. Und manchmal sollte man auch den Dingen eine Chance geben, die von anderen übersehen wurden. Durch eine Konsumumstellung vieler wird die Nachfrage auf dem Markt eine Richtungsänderung erfahren und Hersteller*innen zu einem Umdenken zwingen.

Minimalismus – Ein Leben ohne Überfluss

Minimalismus heißt nicht nur, mit wenigen Gegenständen zu leben.
Foto: Paula Schmidt / Pixabay

Der Begriff Minimalismus bedeutet, sich auf das Nötigste zu beschränken. Das kann für jeden Menschen in einem anderen Zusammenhang stehen. Zum einen kann Minimalismus bedeuten, dass in einer Wohnung mit wenig Dekorationselementen gespielt wird oder auf einer Fotografie der Fokus nur auf einem Element liegt. Der Begriff kann aber auch als Gegenbewegung zur abstrakten Kunst verstanden werden.

Für Ryan Nicodemus und Joshua Millburn hingegen ist Minimalismus ein Lebensstil:

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Die Dokumentation „Minimalism – A Documentary about The Important Things“ (im Deutschen: „Minimalism – A Documentary“) von Matt D’Avella erschien im Jahr 2015 in Amerika. Der Film handelt von den beiden Minimalisten Ryan und Joshua, die sich gegen den Konsum im Überfluss entschieden.

Zusammen schrieben die beiden Amerikaner ein Buch über ihren Lebensstil und begeisterten damit Millionen von Menschen. Neben den beiden Hauptdarstellern kommen weitere Minimalist*innen, Projektinhaber*innen, Wissenschaftler*innen und Autor*innen zu Wort. Sie sprechen darüber, dass Objekte einen nur bedingt glücklich machen können und welchen Einfluss Werbung auf unser Leben hat.

Der New York Time Square ist bekannt für seine zahlreichen knalligen Werbetafeln.
Foto: jeffreyjsmith85/ Pixabay

Werbung beeinflusst unser Konsumverhalten

Werbung begleitet uns, egal wo wir uns befinden. Mal wieder ist Werbepause im Fernsehen, obwohl der Film erst vor einer halben Stunde begonnen hat. Während des Kochens schallen Werbe-Jingles aus dem Radio. Beim Schlendern durch die Einkaufshallen hängen links und rechts Werbetafeln. Und ständig ist man damit beschäftigt, auf dem mobilen Endgerät die sozialen Medien zu aktualisieren. Tagtäglich beeinflusst uns Werbung bewusst und unterbewusst.

Dabei weiß die Werbeindustrie genau, wie sie vorzugehen hat. Es werden Meinungsforschungen und Studien betrieben, um den Nerv der breiten Masse zu treffen. Werbung kann dabei die Absicht haben zu informieren und über wichtige Themen aufzuklären, wie zum Beispiel Krankheiten. Aber sie kann uns ebenso denken lassen, wir müssten uns immer wieder neuwertige Produkte kaufen.

Eine große Plattform für die Verbreitung solchen Denkens bietet das Internet. Produkte werden gezielt je nach Internetrecherche und Kaufverhalten eines Individuums online angezeigt, wenn nicht längst ein Werbeblocker installiert worden ist. Somit wird immer wieder auf Produkte aufmerksam gemacht und vielleicht sogar vom Kauf überzeugt.

Viele Nutzer*innen nehmen jedoch personalisierte Werbung negativ wahr. Ein Grund dafür ist, dass sich die Nutzer*innen beobachtet fühlen. Deswegen vertrauen sie lieber auf Rezensionen von anderen Internetnutzer*innen.

Persönliche Produktempfehlung ist die Chance, die Nutzerschaft über die Notwendigkeit eines Produktes zu informieren und sie vielleicht sogar vom Kauf abzuhalten. Auch diesen Bereich haben Werbende inzwischen allerdings für sich entdeckt. Bei einigen Online-Versandhändlern stammt längst nicht mehr jede Kundenrezension tatsächlich von einem/einer Kund*in. Mit gefälschten positiven Produktbewertungen wird stattdessen oft versucht, Menschen zum Kauf zu bewegen.

Zwar ist es nicht einfach, sich der Beeinflussung von Werbung zu entziehen. Aber in einer Konsumgesellschaft wie unserer ist es wichtig, eigenständige Kaufentscheidungen zu treffen. Zudem sollte man erkennen, wann es wirklich notwendig ist, ein neuwertiges Produkt zu kaufen.

© Deutsche Umweltstiftung

Nicht nur für den Menschen, sondern auch für die Umwelt müssen wir dem Massenkonsum entgegenwirken. Also lieber nutzen was man hat, reparieren, tauschen, leihen oder gebraucht kaufen, statt nur neu zukaufen.