Volle Supermarktregale und ein abwechslungsreiches Angebot an Lebensmitteln sind für viele Menschen in den Ländern des globalen Nordens zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Ein Bewusstsein für die damit einhergehenden ökologischen Konsequenzen ist es oftmals nicht, obwohl sie umfangreich sind. Immerhin ist unsere Ernährung für ca. 15 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen pro Kopf in Deutschland verantwortlich.
Mit der Auswahl unserer Lebensmittel nehmen wir indirekt u. a. Einfluss auf den Landverbrauch und die Abholzung von Wäldern, die Nährstoffbelastung in den Gewässern oder die Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Da viele Produkte in anderen Ländern hergestellt werden, externalisieren wir zugleich den Ressourcenverbrauch. Importierte Produkte belasten nicht nur über anfallende Emissionen beim Transport die Umwelt, sondern tragen oft in den Anbauregionen zur Wasserknappheit bei, denn für den Betrieb von Plantagen und Gewächshäusern oder die Wasserversorgung in der Viehwirtschaft wird Wasser aus den regionalen Süßwasserkreisläufen entnommen. Sinkende Grundwasserspiegel oder austrocknende Seen können die Folge sein. Diese kursorische Liste der Umweltauswirkungen unserer Ernährung gibt einen Eindruck davon, wie komplex das Feld einer ökologisch nachhaltigen Ernährung ist. Dabei sind die nicht minder wichtigen sozialen Fragen nach den Arbeitsbedingungen der beschäftigten Menschen noch gar nicht berücksichtigt.
Gar nicht so einfach
Doch bereits die Auswahl der vermeintlich ökologischsten Alternative kann Verbraucher*innen vor Herausforderungen stellen. Zum einen gehen mitunter bei der Kaufentscheidung unterschiedliche Bewertungskonzepte durcheinander: Ein CO2-Fußabdruck quantifiziert zwar die anfallenden Treibhausgasemissionen eines Produktes entlang dessen Wertschöpfungskette. Er beschreibt damit jedoch nur einen Teil der Umweltauswirkungen. Ein umfassenderes Bild zeigt daher der ökologische Fußabdruck, der zusätzlich bspw. den Düngemittel- und Wassereinsatz oder den Landverbrauch berücksichtigt. 2020 hat das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) für eine Reihe von Lebensmitteln detailliert unterschiedliche Fußabdrücke ermittelt.
Das Ergebnis zeigt zunächst erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Umwelt- und Klimaauswirkungen bei verschiedenen Lebensmitteln. Dabei lässt sich sagen, dass der Konsum von Fleischwaren und tierischen Produkten wie Eiern, Milch oder Käse in den meisten Fällen mit höheren Klima- und Umweltauswirkungen einhergeht als bei vegetarischen Alternativen.
Doch auch innerhalb der Gruppe der „grünen” Produkte bestehen erhebliche Unterschiede bspw. aufgrund der Transportart und des Anbaugebiets. Eine ressourcenschonende Ernährung sollte daher Saisonalität und Regionalität von Lebensmitteln beachten. Hier kann ein Transparenzproblem auftreten. Denn für Verbraucher*innen ist häufig zwar erkennbar, woher das Produkt stammt, jedoch nicht zwingend, wie es transportiert wurde. Beispielsweise beträgt laut der Studie des ifeu der CO2-Fußabdruck einer „Flugananas” 15,1 kg CO2e. Der Fußabdruck eines neuseeländischen Apfels hat mit nur 0,8 kg CO2e dagegen nur einen Bruchteil davon. Erfolgt der Transfer der Ananas jedoch per Schiff, dann sinkt der Fußabdruck auf 0,6 kg CO2e und ist damit sogar geringer als der des neuseeländischen Apfels. Anhand des Apfels wird noch etwas deutlich: Ökologisch vorteilhaft ist es in den meisten Fällen, wenn die Lieferwege kurz sind – die Lebensmittel also aus der Region stammen. Denn im Vergleich zum neuseeländischen Apfel ist der Fußabdruck eines heimischen Apfels nur halb so hoch und liegt bei 0,3-0,4 kg CO2e pro kg. Allerdings gibt es hier eine wesentliche Einschränkung: die Saisonalität.
Das Zusammenspiel zwischen den Einflussfaktoren lässt sich gut am Beispiel der allseits beliebten Tomaten darstellen: Saisonale Tomaten aus Deutschland haben laut der Studie des ifeu mit 0,3 kg CO2e pro kg sogar eine minimal bessere CO2-Bilanz als eine südeuropäische Tomate (0,4 kg CO2e pro kg). Bei außerhalb der Saison in Deutschland in beheizten Gewächshäusern angebauten Tomaten ist der CO2-Fußabdruck jedoch aufgrund der energieintensiven Methode deutlich größer und beträgt 2,9 kg CO2e pro kg.
Dies darf vor dem Hintergrund zunehmender Wasserknappheit in vielen der Hauptanbauländer nicht als Aufforderung missverstanden werden, den Konsum von wärmeliebendem Obst und Gemüse aus Südeuropa und vergleichbaren Anbauregionen auf die deutschen Wintermonate zu begrenzen. Stattdessen ist es vielmehr ein starkes Argument für eine regional und saisonal sowie vorwiegend pflanzenbasierte Ernährung.
Suffizienz im Ernährungsalltag
Doch wie gelingt diese Anpassung am besten? Eine kritische Selbstreflexion der eigenen Verbrauchsgewohnheiten bietet dafür einen guten Einstieg. Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, welche Lebensmittel wann und wie oft auf dem Tisch stehen. Ein hilfreiches Instrument kann ein Ernährungstagebuch sein, in dem die täglichen Speisen vermerkt werden.
Bei der Umstellung der Ernährungsgewohnheiten können Ratgeber helfen. Informationsangebote wie das der Verbraucherzentrale oder der Saisonkalender des Bundeszentrums für Ernährung zeigen auf einen Blick analog oder digital, welche heimischen Lebensmittel gerade Saison haben. Apps und Internetseiten wie regional-saisonal oder „Deutschland– mein Garten” gehen noch einen Schritt weiter und bieten Rezeptvorschläge für jede Jahreszeit. Auch in den Sozialen Medien haben sich Kanäle wie bspw. der von Laura Hirsch etabliert, in denen vorwiegend junge Menschen Rezepte für den eigenen Sauerteigstarter oder Anleitungen zum Fermentieren mit ihrer Community teilen.
Eine wichtige Funktion für eine regionale Versorgung und ressourcenschonende Ernährung nehmen Wochenmärkte ein. Sie bieten regionalen Erzeugern eine Vertriebsmöglichkeit. Darüber hinaus ermöglichen sie unmittelbaren Kontakt zwischen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen. Über den Austausch können Vertrauen und Transparenz wachsen. Auf der Plattform Wochenmarkt Deutschland sind hierfür bundesweit Informationen zu Märkten gesammelt.
Altes neu entdecken und Neues Kennenlernen
Eine suffiziente Ernährung ist mehr als der ökologisch sinnvolle Verzicht auf klimaschädliche Steaks aus Argentinien, Flugananas oder wasserhungrige Avocados. Sie stellt zugleich eine Chance dar, Neues in der Küche zu erproben. Lang vergessene Kochrezepte aus Omas Kochbuch können kulinarische Überraschungen mit Kohl und Pastinaken bieten. Das Einkochen saisonaler Früchte an einem regnerischen Nachmittag kann erholsam entschleunigend sein. Regionale Ernährung fördert zudem die Entflechtung langer globaler Wertschöpfungsketten, senkt das Verpackungsaufkommen und trägt zur Stärkung des sozialen Miteinanders auf regionaler Ebene bei. In diesem Sinne: Liebe geht bekanntlich durch den Magen – Nachhaltigkeit tut es auch.

