Attraktivität des Fahrrads fördern – internationale Beispiele

Die anhaltend hohen Energiepreise und die Debatten um politische Entlastungsmaßnahmen wie den beschlossenen Tankrabatt verdeutlichen die tiefe Abhängigkeit unserer Gesellschaft vom Automobil. In vielen privaten Haushalten der Republik gehören die Kosten für Mobilität zu den größten Ausgabenposten und belasten das monatliche Familienbudget. Dennoch ist die Pkw-Dichte in Deutschland so hoch wie nie: 2026 kamen auf 1.000 Einwohner*innen 593 Pkw. Das sind rund 49,5 Millionen Fahrzeuge. 

Demgegenüber steht das Fahrrad als weitaus suffizientere und günstigere Alternative. Während eine Autofahrt unter Berücksichtigung von Wertverlust, Versicherung, Reparaturen und Betriebsmitteln je nach Fahrzeugklasse zwischen 35 und über 300 Cent pro Kilometer kostet, liegen die Kosten für das Fahrrad laut Umweltbundesamt bei durchschnittlich nur zehn Cent. Diese Bilanz erfasst lediglich die privaten Ausgaben. Gesellschaftliche Folgekosten wie Luftverschmutzung, Lärm oder der große Flächenverbrauch durch Parkräume und breite Fahrbahnen sind hierbei noch gar nicht berücksichtigt.

Zudem zeigen Erhebungen, dass der Pkw gerade im urbanen Raum nur eingeschränkt Zeitvorteile bietet. Mehr als 40 Prozent der Autofahrten in deutschen Großstädten sind kürzer als fünf Kilometer – eine Distanz, auf der das Fahrrad oft das schnellste Verkehrsmittel ist. 

Trotz dieser asymmetrischen Kosten-Nutzen-Struktur fährt mehr als die Hälfte der Deutschen selten oder nie Rad, obwohl laut Umfragen der Wille zu mehr Zweiradmobilität vorhanden ist. Hinweise darauf, wie sich dieser Wunsch in die Realität umsetzen lässt, zeigen erfolgreiche Praxisbeispiele aus europäischen Ländern mit ausgeprägter Fahrradkultur.

Gute und getrennte Radwege für mehr Sicherheit

Bei der Befragung von mehreren tausend Verkehrsteilnehmer*innen zeigte sich, dass die empfundene Sicherheit im Straßenverkehr ein wichtiges Kriterium für viele Menschen ist und eine Hürde beim Umstieg auf das Fahrrad darstellen kann. Eine Möglichkeit, um viele gefährliche Situationen zu vermeiden, ist ein baulich getrennter Rad- und Autoverkehr. Die Niederlande gelten hierfür als internationales Vorbild. Dort sind Radwege vielerorts durch Bordsteine, Grünstreifen oder Poller von der Fahrbahn separiert. Breite, zweispurig angelegte Trassen mit hoher Asphaltqualität bieten ein gutes Fahrgefühl und erleichtern zudem das Überholen, was die Attraktivität des Radverkehrs im Alltag steigert. 

Schnittstellen stärken

Neben der Sicherheit entscheidet auch der Komfort über die Verkehrsmittelwahl. Ein weiterer Faktor zur Attraktivitätsförderung des Fahrrads sind daher mögliche Zeitersparnisse und kurze Übergänge auf intermodalen Routen. In vielen Innenstädten ist die Parksituation für Pkw angespannt, da Parkraumbewirtschaftung und ein hohes Verkehrsaufkommen das Parken direkt am Zielort erschweren. Der Ausweg ist häufig die Fahrt in ein kostenpflichtiges Parkhaus. Internationale Praxisbeispiele zeigen, dass gezielte Infrastrukturmaßnahmen diesen Nachteil ausgleichen und den Radverkehr fördern können. Ein Beispiel findet sich im niederländischen Utrecht. Dort befindet sich das weltgrößte Fahrradparkhaus direkt am Hauptbahnhof. Es bietet Kapazitäten für 12.500 Fahrräder sowie eine direkte intermodale Anbindung der Stellplätze an das Schienennetz. Um den Umstieg zusätzlich zu erleichtern, ist die Nutzung des Parkhauses in den ersten 24 Stunden kostenfrei. Ähnliche Fahrradparkhäuser lassen sich fast an allen niederländischen Bahnhöfen finden und stärken die intermodalen Strukturen. 

Nicht so schnell: Tempolimits 

Niedrigere Geschwindigkeiten im motorisierten Individualverkehr verringern das Unfallrisiko und die Schwere von Verletzungen im Radverkehr. Neben den Effekten für den Klimaschutz, der Luftreinhaltung und der urbanen Lebensqualität bildet dieser Sicherheitsaspekt ein wichtiges politisches Motiv für andernorts durchgeführte Verkehrsregulierungen. Oslo und Helsinki setzten im Rahmen ihrer „Vision Zero“-Strategien auf flächendeckende Geschwindigkeitsreduzierungen. Es handelt sich dabei um ein strategisches Leitbild mit dem Ziel, schwere Unfälle und Verletzungen u. a. im Straßenverkehr vollständig zu vermeiden. Als erstes europäisches Land verankerte Spanien 2021 ein landesweit abgestuftes innerörtliches Tempolimit von 20 oder 30 km/h für Straßen mit maximal einer Fahrspur pro Richtung. 

Fix am Ziel: Fahrradschnellwege

Um den Pendlerverkehr zwischen der Peripherie und den urbanen Zentren zu Stoßzeiten zu entlasten, helfen noch andere Pull-Faktoren. Darunter werden positive Anreize verstanden, mit denen der Wechsel des Verkehrsmittels erleichtert wird. Dänemark setzt hierfür gezielt auf Fahrradschnellwege, die bspw. Wohngebiete im Umland Kopenhagens kreuzungsarm mit den Arbeitsplätzen in der Stadt verknüpfen. Die Routen sind auf längere Distanzen ausgelegt und sollen ein unterbrechungsfreies Fahren auf hochwertigem Untergrund ermöglichen. Bereits vorgenommene Evaluationen zeigen den Erfolg der Maßnahme: Auf den untersuchten Routen stieg der Radverkehr nach dem Ausbau im Schnitt um 52 Prozent. Bemerkenswerte 14 Prozent der dort erfassten Pendler*innen gaben an, zuvor das Auto genutzt zu haben. Die Schnellwege schonen dabei nicht nur die Umwelt, sondern entlasten zugleich in Stoßzeiten die Straßen bzw. den öffentlichen Nahverkehr. 

Lohnt sich finanziell

Ein anderer Pull-Faktor findet in Belgien Verwendung: Die Attraktivität des Fahrrads wird gezielt politisch mittels finanzieller Anreize gefördert. Personen, die für ihren Arbeitsweg das Rad nutzen, profitieren dort von einer steuerfreien Kilometerpauschale. Unternehmen sind über nationale Tarifverträge gesetzlich dazu verpflichtet, einen Mindestsatz von 0,35 Euro pro gefahrenen Kilometer an radelnde Angestellte auszuzahlen, was sich für aktive Pendler*innen auf mehr als dreitausend Euro netto im Jahr aufsummieren kann.

Fazit: den Wechsel leicht machen

Diese internationalen Praxisbeispiele zeigen ein breites Spektrum an Möglichkeiten, mit denen der (teilweise) Umstieg vom Automobil auf das Fahrrad im Sinne der Ressourcenschonung begünstigt werden kann. Anstelle einer Betrachtung von Push-Faktoren, die die Nutzung des Pkw unattraktiver machen sollen, standen Pull-Faktoren im Fokus, die die Vorteile des Fahrrads in den Mittelpunkt rücken und zur Geltung kommen lassen. So können positive Verstärker geschaffen werden, um die eingangs genannte Zielgruppe wechselwilliger Menschen dabei zu unterstützen, von Zeit zu Zeit das Auto aus eigenem Antrieb zugunsten des Rades stehenzulassen. 

Wenig(er) Fläche – mehr Raum

Suffizienzansätze im Bereich Wohnen setzen häufig auf der individuellen Ebene an und versuchen, den Ressourcenbedarf durch Verhaltens- und Konsumänderungen bzw. angepasste individuelle Alltagspraktiken zu verringern. Exemplarisch lassen sich hierfür die Senkung der Raumtemperaturen im Winter, die Vermeidung von Stand-by-Funktionen oder ein bewusst verringerter Warmwasserverbrauch anführen. Dies schont zwar Ressourcen, stellt jedoch keine Antwort auf den wachsenden Bedarf an bezahlbarem Wohnraum insbesondere in urbanen Zentren dar.

Stellschrauben suffizienten Wohnens

Um dieser vielerorts großen Nachfrage nach Wohnraum ressourcenschonend zu begegnen, betonen weitere Suffizienzansätze daher zugleich den Mehrwert raumsparender Wohnkonzepte, die vorhandene Strukturen bestmöglich nutzen, anstelle mittels Neubauten zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Sie unterscheiden sich in dieser Hinsicht wesentlich von Ansätzen, die den Nachhaltigkeitsstrategien Effizienz und Konsistenz zuzuordnen sind: Effizienzmaßnahmen zielen darauf ab, auf technischem oder baulichem Weg bspw. durch Fenstertausch, Dämmungsmaßnahmen der Außenhülle oder die Installation einer stromsparenden Beleuchtung Ressourceneinsparungen zu erreichen. Konsistenz betont hingegen die Bedeutung der Kreislauffähigkeit von (Bau-)Materialien im Sinne einer Bioökonomie oder die Notwendigkeit einer Umstellung auf erneuerbare Energien.

Ausgangspunkt für die Notwendigkeit solcher Suffizienzmaßnahmen ist dabei häufig die Diagnose, dass in Deutschland im Verlauf der letzten 30 Jahre die durchschnittliche Wohnfläche deutlich zugenommen hat. Zahlen des Umweltbundesamtes zeigen, dass sie zwischen den Jahren 1990 und 2025 von durchschnittlich 34,8 m² auf 49,2 m² angewachsen ist. Außerdem steigt vielerorts die Zahl von Singlehaushalten. Exemplarische soziale Folgen dieser Entwicklungen sind zunehmende Befunde von Vereinsamung und Schwierigkeiten für Paare, bezahlbaren Wohnraum für die anstehende Familiengründung zu finden.

Suffizienzansätze betonen daher den Mehrwert einer Verbindung ökologischer und sozialer Aspekte des Wohnens entlang unterschiedlicher Lebensphasen und hinterfragen vorherrschendes Statusdenken. Aus dieser Perspektive ist beispielsweise auch eine Verringerung des Wohnraums im Alter oder nach abgeschlossener Familienplanung nicht als ein in der Gesellschaft häufig kritisch beäugter Verzicht zu sehen, sondern reflektiert vielmehr auch den persönlichen Ausdruck geänderter Lebensumstände und Bedürfnisse. Überdies wird in suffizienten Wohnraumkonzepten häufig versucht, mehr Raum für den sozialen Austausch zwischen Menschen zu schaffen. Dies kann bspw. durch die Schaffung von Gemeinschaftsräumen oder WG-ähnlichen Strukturen geschehen, in denen die Bewohner*innen eigene Privatbereiche bewohnen, jedoch Flächen wie Küchen, Waschkeller oder Gemeinschaftsgärten teilen. Platzsparendes und ressourcenschonendes Wohnen soll in diesem Fall zugleich der zunehmenden Vereinsamung entgegenwirken und kann unfreiwillig isoliert lebenden Menschen einen Weg zu mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bieten.  

Wohnflächenoptimierung durch Bonuspunktesystem in Wien

Ein Beispiel dafür, wie Wohnflächen einerseits nachhaltiger genutzt und andererseits auch an sich verändernde Lebensumstände angepasst werden können, ist das im Jahr 2023 realisierte Projekt „65+“ vom Wiener Gemeindebau. Dieses ermöglicht es Senior*innen, ihre Gemeindewohnungen gegen eine flächenverringerte und barrierefreie Wohnung zu tauschen. Nach der Integration des 65+-Projekts in das neue Bonuspunktesystem, das vom Landtag beschlossen wurde, werden Bürger*innen in Wien künftig mittels systematischer Erfassung ihrer spezifischen Lebenssituation im Wohnungsvergabe- und Wohnungstauschprozess entsprechend eingestuft und berücksichtigt. Durch das Anpassen bzw. Verkleinern der Wohneinheit soll der Ressourcenverbrauch pro Kopf gesenkt und die ungenutzte Wohnfläche wieder in den Wohnungsmarkt eingespeist werden. Dadurch kann beispielsweise Menschen mit Kindern bedarfsgerecht eine größere Wohnung zur Verfügung gestellt werden und auch Auszubildenden oder Gewaltbetroffenen kann so schneller bei ihrem dringenden Wohnraumbedarf geholfen werden. Die zentrale Organisation durch die Stadt Wien bildete die Grundlage, um notwendige rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen zu schaffen. Auf diese Weise wird auch sichergestellt, dass die Lösung großflächig und mit einer breiten Teilnehmerzahl realisiert werden kann. 

Vom Büro zum temporären Bett

Auch eine mehrfach- beziehungsweise multifunktionale Nutzung von gewerblichen Gebäuden bietet viele Chancen, um dem wachsenden Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum in Städten nachzukommen und parallel dazu die soziale Teilhabe zu unterstützen. Im spendengeförderten Projekt „Bureaux de Coeur“ aus Frankreich können Unternehmen Teil des Netzwerks werden und ihre Büro-, Konferenz- oder Lagerräume für die Übernachtung von Wohnungslosen bereitstellen. Soziale Träger übernehmen die Auswahl und Vermittlung der Personen an das Netzwerk der teilnehmenden Unternehmen. Eine Voraussetzung ist unter anderem, dass mittels der Unterstützung der jeweiligen sozialen Vereine während der Teilnahme am Projekt nach einer festen Anstellung sowie einer dauerhaften Unterbringung gesucht wird. Somit nutzt die Initiative temporär ungenutzte Flächen und stärkt die soziale Teilhabe, indem sie die Wiedereingliederung von Personen ohne festen Wohnsitz in Alltag und Berufsleben fördert. 

Community ist nicht gleich Kommune 

Dennoch wird es natürlich auch weiterhin die Notwendigkeit für Neubauten geben. In diesem Fall sollte jedoch stärker als bisher in der Planung üblich auch der Blick durch die Suffizienzbrille erfolgen. Das bereits 2013 fertiggestellte LILAC-Projekt (Low Impact Living Affordable Community) aus Leeds zeigt, wie ein sozial und ökologisch nachhaltiges Bauprojekt Elemente der Effizienz, Konsistenz und Suffizienz vereinen kann. Dabei wurden nicht nur gezielt nachhaltige Baumaterialien eingesetzt, sondern durch die Kombination von privaten Wohneinheiten mit Gemeinschaftsräumen und einem Gemeinschaftsgarten bewusst der persönliche Flächenbedarf reduziert und die soziale Interaktion und Kooperation zwischen den Bewohner*innen gefördert. Die Finanzierung des Projekts als „Mutual Home Ownership Society“ (MHOS) erfolgt in Form einer Beteiligung anteilig an der Wohnungsgröße und am individuellen Einkommen. So wurde erreicht, dass das Objekt langfristig gemeinschaftliches Eigentum bleibt und Bewohner*innen verschiedener Einkommensgruppen die Teilnahme an der Initiative möglich ist.

Fazit

Die Beispiele zeigen skizzenhaft die vielfältigen Möglichkeiten, um den Gebäudebestand als sozial-ökologischen Transformationstreiber einzusetzen – sei es durch Wohnungstausch, multifunktionale Flächennutzung oder die Installation von Gemeinschaftsbereichen. Die Maßnahmen versprechen dabei eine doppelte Rendite: Sie schonen ökologische Ressourcen und können das soziale Miteinander stärken. Die erfolgreiche Umsetzung solcher Suffizienzansätze setzt allerdings die Bereitschaft aller Akteure voraus, Wohnraum neu zu denken und tradierte Muster konsequent aufzubrechen.

Kommunen suffizient gestalten

In der Theorie sind Effizienz, Konsistenz und Suffizienz gleichrangige Stellschrauben, um eine nachhaltigere Gesellschaft zu erreichen. In der Praxis fristet letztere jedoch nach wie vor häufig ein stiefmütterliches Dasein. Dies überrascht umso mehr, da Suffizienzstrategien oft kostengünstig und schnell einen ökologischen Benefit versprechen und sich zugleich auch auf soziale Herausforderungen wie Vereinsamung positiv auswirken können. 

Ein kürzlich erschienenes Positionspapier des Deutschen Instituts für Urbanistik (difu) setzt sich vor diesem Hintergrund kritisch mit der Frage auseinander, warum Suffizienzpraktiken in Kommunen trotz einer angestrebten Klimaneutralität der Bundesrepublik bis 2045 nicht stärkere Beachtung finden. Es skizziert strukturelle Ansätze, wie diese kommunalen Potenziale gehoben werden können und zeigt, dass viele Städte und Gemeinden über starke Hebel verfügen, um einen Beitrag zur nachhaltigen Transformation der Gesellschaft zu leisten.

Suffizienz im kommunalen Kontext

Zum Einstieg bieten die Autoren einen Überblick zum Begriff der Suffizienz und dem Stand der Forschung. Dazu beleuchten sie die kritische Debatte in Schlaglichtern. Sie betrachten die konkurrierenden Lösungsansätze „Technikglaube“ versus „Degrowth“ sowie die Auswirkungen postfaktizitärer Sichtweisen, die in den letzten Jahren an Relevanz gewonnen haben. Zudem gehen sie auf das positive und negative Framing im Verzichtsdiskurs ein und skizzieren die Diskussion hinsichtlich der Frage, ob wirksame Suffizienzansätze eher auf individueller oder kollektiver Ebene zu verankern sind.

Kommunale Handlungsfelder

Anhand wichtiger kommunaler Handlungsfelder wie Verkehr, Mobilität, Gebäude und Konsum verdeutlichen die Autoren sodann einerseits die sozial-ökologischen Transformationspotenziale einer kommunalen Suffizienzorientierung. Zugleich machen sie auch deutlich, dass die damit verbundenen Vorteile nur zugänglich werden, wenn mittels politischer Gestaltung ein entsprechender finanzieller oder rechtlicher Rahmen geschaffen wird. Dies umfasst nicht nur die Attraktivitätsförderung suffizienter Handlungsoptionen, sondern zugleich auch die Abkehr von dem Ziel zuwiderlaufenden Leitbildern und Politikmaximen wie bspw. dem Postulat einer „autogerechten Stadt“.  

Best Practices für ein besseres Verständnis

In diesem Zusammenhang beleuchten die Autoren diverse thematisch und methodisch unterschiedliche Praxisbeispiele. Im Handlungsfeld Verkehr wird u. a. die preisgekrönte Lincoln-Siedlung in Darmstadt vorgestellt, bei der mittels einer Mischung aus Push- (zentrale Stellplatzvergabe, Parkraumbewirtschaftung) und Pull-Maßnahmen wie bspw. Sharing-Angeboten oder Fahrtguthaben das PKW-Aufkommen gemindert werden konnte und zugleich Synergieeffekte in Form einer gesteigerten Aufenthalts- und Lebensqualität erreicht wurden. Im Gebäudesektor werden Beispiele aus mehreren Städten zur Förderung der Suffizienz mittels gezielter gesamtstädtischer Strategien oder Wohnraumagenturen zur Optimierung einer flächensparenden Wohnraumversorgung vorgestellt. Für den Konsumbereich betont das Dokument den prioritären Fokus auf die Abfallvermeidung. Es zeigt, dass Kommunen einerseits selbst mit einer suffizienzorientierten Beschaffung einen ressourcenschonenden Beitrag leisten können. Andererseits steht ihnen ein großes Repertoire an Möglichkeiten zur Verfügung, mit denen sie indirekt positiv auf eine Verminderung des lokalen Abfallaufkommens wirken können. Mittels geeigneter regulatorischer Maßnahmen, Förderangeboten oder Kampagnen können sie zur Schaffung von Sharing-Angeboten oder der Gründung und Arbeit lokaler Initiativen beitragen, die bspw. mit Urban-Gardening-Projekten oder Repair-Cafés einen positiven Beitrag zur sozial-ökologischen Transformation hin zu einer ressourcensparenderen Gesellschaft leisten. 

Fazit 

Die Ausführungen zeigen anschaulich, wie ressourcenschonende Lebensstile in Städten und Gemeinden systematisch gefördert und entwickelt werden können. Die abschließenden elf Handlungsempfehlungen zur verstärkten Implementierung von Suffizienz als Prinzip zur Erreichung kommunaler Klima- und Ressourcenschutzziele unterstreichen die hohe Praxisrelevanz der Publikation für kommunale Akteure aus Politik und Verwaltung. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen seines kompakten Umfangs von lediglich rund 20 Seiten bietet das Dokument daher einen guten Einstieg in das Querschnittshema „Suffizienz im kommunalen Kontext.”

Das Dokument „Weniger bringt mehr: Suffizienz im kommunalen Klima- und Ressourcenschutz“ kann hier kostenfrei heruntergeladen werden.

DIREKT – Einkaufen (fast) ohne Supermarkt

Die Distanz zwischen dem, was auf unseren Tellern landet, und den Menschen, die es erzeugen, war noch nie so groß wie heute. Bei den meisten Waren, die im Einkaufswagen landen, wissen Verbraucher*innen in der Regel nicht, unter welchen Bedingungen sie entstanden sind, und ahnen oft kaum, welche Kosten der Kassenbon verschweigt. Hier setzt Frank Herrmann mit seinem Buch „DIREKT – Einkaufen (fast) ohne Supermarkt“ an. Der Betriebswirt lebte rund zwanzig Jahre in Lateinamerika, wo er u. a. als Entwicklungsexperte tätig war. Diese Erfahrungen bilden das Fundament seines Buches. Herrmann möchte aufzeigen, dass eine ökologisch und sozial gerechtere Ernährung jenseits der erdrückenden Marktmacht großer Supermarkt- und Lebensmittelkonzerne möglich ist.

Verdeckte Kosten

Herrmann beginnt seine Ausführungen mit einem Blick auf die Entwicklung der Lebensmittelpreise und deren sozial-ökologischer Aussagekraft. Er legt dar, dass ein Großteil der ökologischen und sozialen Kosten – zum Beispiel Klimaschäden – externalisiert werden und in den aktuellen Preisen nicht enthalten seien. Diese verdeckten Kosten müssten stattdessen von der Gesellschaft getragen werden, insbesondere von künftigen Generationen und von Menschen in fernen Erzeugerländern. Herrmann zeigt zudem anhand des Beispiels einer Aktion des Discounters Penny, wie stark sich Preise auf das Kaufverhalten auswirken. Eine Woche lang verkaufte die Kette in allen Filialen neun Produkte zu Preisen, die die tatsächlichen Umwelt- und Gesundheitsfolgen der Produkte widerspiegeln sollten. Die Mehreinnahmen wurden an das Projekt „Zukunftsbauer“ gespendet. Das Ergebnis fiel ernüchternd aus. Die meisten Produkte verkauften sich schlecht.

Das System Supermarkt

Im zweiten Kapitel beleuchtet der Autor kritisch die Rolle großer Lebensmittelhändler und die Preisbildung zwischen Erzeuger*innen und Handel. Er argumentiert, dass in Folge einer starken Marktkonzentration nun mehr vier große Konzerne den deutschen Lebensmittelhandel beherrschen. Diese Marktdominanz bewirke, dass die Handelsunternehmen über eine enorme Verhandlungsmacht gegenüber Hersteller*innen verfügen und zugleich mittels der Gestaltung ihrer Sortimente und konsumfördernder Absatzstrategien das Einkaufsverhalten der Verbraucher*innen beeinflussen. Herrmann unterfüttert diese Feststellung mit Darstellungen zu empirischen Preisbildungsprozessen zwischen Erzeugern und Handel und einer Beleuchtung der verdrängenden Kraft preisgünstiger Eigenmarken in den Sortimenten, mit denen sogar Druck auf große Hersteller wie Nestlé, Mars oder Heinz ausgeübt werden könne. Politische Maßnahmen auf europäischer und nationaler Ebene seien bislang häufig unzureichend, da sie unlautere Handelspraktiken oft nicht wirksam unterbinden und Herstellern infolgedessen keinen wirksamen Schutz böten, wie Herrman anhand mehrerer Beispiele zeigt. Abschließend präsentiert er mit dem in Frankreich und Spanien erprobten Modell der Drei-Parteien-Verträge eine Alternative, mit der Machtungleichgewichte entlang der Lebensmittellieferkette entgegengewirkt werden können.

Regionalität zwischen Ideal und Realität

Mit der regionalen Wertschöpfung stellt der Autor im dritten Kapitel eine Alternative zu den langen globalen Wertschöpfungsketten großer Lebensmittelkonzerne vor. Dazu setzt er sich kritisch mit dem ungeschützten Begriff „regional“ auseinander und warnt vor falschen Versprechen sowie Greenwashing. Anhand von Beispielen geht er auch auf die Schattenseiten des positiv konnotierten Begriffs ein. Regionalität könne zum Beispiel falsche Erwartungen bei den Konsument*innen wecken, wenn Produkte deutlich weitere Transportwege aufweisen als von ihnen vermutet. Er zeigt außerdem, dass große Einzelhändler ebenfalls vermehrt mit dem Prädikat „regional“ in Verbindung mit diversen eigenen Siegeln werben und es in der Vergangenheit dabei wiederholt zu Greenwashing gekommen ist.

Eine Alternative könnte in einem integrativen Ansatz liegen, bei dem bio und regional stärker als bislang zusammengedacht werden. Eine konsequente Vernetzung von Wirtschafts-, Agrar-  und Kommunalpolitik „in Zeiten von Klimakrise, geopolitischer Instabilität und zunehmender sozialer Spaltung“ könne als stabilisierendes Fundament wirken (S. 57). Dabei zu bewältigende Herausforderungen und wichtige Stellschrauben beleuchtet der Autor anschließend kursorisch, ehe er sich im vierten Kapitel Vor- und Nachteilen des Direktvertriebs im Sinne eines nachhaltigen Lebensmittelsystems widmet.

Plädoyer für den Direktvertrieb

Im vierten Teil des Buches setzt sich Herrmann kritisch mit dem Konzept der Direktvermarktung auseinander. Dazu geht er einerseits auf potentielle Vorteile wie eine verstärkt regionale Wertschöpfung, eine wachsende unternehmerische Stabilität kleinerer Betriebe oder eine wiederkehrende Annäherung zwischen Erzeuger*innen und Konsument*innen ein. Andererseits beleuchtet er auch die damit einhergehenden Herausforderungen für Erzeuger*innen wie beispielsweise bürokratische Hürden und hohe Bodenpreise, wobei er auch die Grenzen der Skalierbarkeit des Ansatzes in den Blick nimmt. So gestalten sich aus seiner Sicht Direktvermarktungskonzepte gegenwärtig vor allem in kleinem Maßstab umsetzbar. Eine großflächige Versorgung ganzer urbaner Zentren erscheint aus diversen Gründen wie beispielsweise logistischer Limitationen und einer breiten von den Konsument*innen erwarteten Produktpalette unrealistisch. Nicht nur an dieser Stelle verdeutlichen die Ausführungen des Autors anschaulich, dass die politischen Rahmenbedingungen ein maßgeblicher Faktor sind, der über den Erfolg oder das Scheitern von regionalen Versorgungskonzepten (mit-)entscheidet. Dabei konstatiert er gegenwärtig in der deutschen und europäischen Landwirtschafts- und Handelspolitik eine starke Schieflage, die den globalen Status quo einer nicht nachhaltigen Agrarpolitik zementiert und sich beispielsweise in immer stärkerer Landkonzentration oder Dumpingpreisen niederschlägt.

Einkaufen ohne Supermarkt

Das umfangreichste Kapitel ist zugleich das praxisorientierteste. Der Autor stellt eine Vielzahl verschiedener Ansätze vor, mit denen Verbraucher*innen die Dominanz großer Einzelhändler zumindest teilweise umgehen können – von Hofläden, Wochenmärkten und Erzeugergemeinschaften über Streuobstinitiativen, FoodCoops und solidarische Landwirtschaft bis hin zu Commons, Micro Gardening und digitaler Direktvermarktung. Nicht nur in Ländern des globalen Südens könne fairer und direkter Handel dabei Missständen entgegenwirken, Erzeuger*innen stärken und für faire Löhne, Transparenz und solidarische Preise sorgen. Eindrücklich sind seine Beispiele auch zum Empowerment von Frauen ebenso wie jene zu Ausbeutung und miserablen Arbeitsbedingungen mitten in Europa.

Fazit: Konsum als politische Handlung

Ganz im Sinne der Suffizienz ist für Herrmann ein gutes Leben für alle möglich, wenn Ernährung, Arbeit und Ressourcen gerecht verteilt sind und zivilgesellschaftliches Engagement die Wende mitträgt. Konsumentscheidungen wohnen für ihn daher auch politischen Handlungen inne. Gute Lebensmittel seien immer beides, nämlich gesund für uns und für Böden und Klima. Sie werden regional und saisonal erzeugt, direkt vermarktet und dies zu Preisen, die für alle Beteiligten fair sind. Nicht nur aufgrund dieses Anspruchs ist „DIREKT – Einkaufen (fast) ohne Supermarkt“ ein durchweg interessantes und aufschlussreiches Buch.

Buchinformationen

Autor: Frank Herrmann
Titel: DIREKT – Einkaufen (fast) ohne Supermarkt
Verlag: Brandes & Apsel
ISBN: 978-3-95558-424-5
Softcover, 177 Seiten
Erscheinungsjahr: 2026

Einflüsse von KI auf den Ressourcenverbrauch

Es sind erst wenige Jahre vergangen, seit ChatGPT einer breiten Öffentlichkeit die Möglichkeiten von KI-Assistenten zeigte. Seit 2022 können Interessierte das Tool nutzen, um Informationen zu finden, zu verstehen und in Texte, Ideen oder Lösungen umzusetzen. Zeitgleich entwickelte sich eine breite gesellschaftliche Diskussion hinsichtlich möglicher Gefahren, die mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) einhergehen. Dabei dreht sich die Debatte längst nicht nur um technische, sondern auch um rechtliche, demokratietheoretische oder ethische Fragen.  

Und die Umwelt?

Weniger Aufmerksamkeit fand lange die Frage nach den ökologischen Auswirkungen eines wachsenden KI-Einsatzes. Der größte Druck auf die Umwelt resultiert dabei aus dem wachsenden Ressourcenbedarf. Sowohl das Anlernen von technischen Anwendungen, die auf komplexen neuronalen Netzen basieren, als auch deren späterer Betrieb beruhen auf der Verarbeitung großer Datenmengen. Die dafür benötigten Rechenzentren verbrauchen große Mengen Strom. Expert*innen schätzen, dass 2026 bereits 31 Prozent des gesamten Stromverbrauchs bei Rechenzentren auf KI-optimierte Server entfallen werden und sich dieser Trend fortsetzen wird. Bereits 2027 könnten KI-Server mehr Strom verbrauchen als konventionelle Server. Hinzu kommt ein immenser Wasserbedarf für die Kühlung der Rechenzentren. Laut des Nachhaltigkeitsberichts von Microsoft aus dem Jahr 2024 wuchs der Wasserverbrauch des Unternehmens zwischen 2020 und 2023 von rund 4,2 auf 7,8 Mrd. Liter jährlich. Das entspricht einem Anstieg von gut 85 Prozent. Das kommt in etwa dem Wasserverbrauch von 52.000 4-Personen-Haushalten in Deutschland gleich. Erschwerend wirkt, dass in der Vergangenheit Rechenzentren zum Teil in wasserarmen Regionen gebaut wurden und dort zur Verschärfung von Wasserknappheiten beigetragen haben.

Neben diesen direkten Effekten sehen Expert*innen noch weitere Gefahren für die Umwelt. Im Marketing wird davon ausgegangen, dass sich die Kaufentscheidungen von Konsument*innen immer stärker durch Algorithmen beeinflussen lassen. Da personalisierte Empfehlungen passgenau die Wünsche von Verbraucher*innen treffen oder sogar erst erzeugen, entstehen permanent neue Konsumanreize. Schließlich kann KI dazu beitragen, bereits bestehende ökologische Herausforderungen der Digitalisierung wie die Entstehung von Reboundeffekten oder technische Obsoleszenz noch zu verstärken: So verbraucht eine einzelne generative KI-Anfrage bis zu zehnmal so viel Energie wie eine herkömmliche Suchmaschinenanfrage. Sowohl server- als auch clientseitig erzwingt der technische Fortschritt bei KI zudem ständig neue und leistungsfähigere Komponenten wie Grafikchips und Mikroprozessoren oder größere Arbeitsspeicher. Eine potentielle Folge ist, dass bestehende Hardware immer schneller veraltet und Smartphones oder Laptops häufiger ersetzt werden müssen. 

KI-Prozesse ressourceschonender gestalten

Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen stellt sich die Frage, ob und in welcher Weise dem KI-Boom auch ressourcenschonende Potentiale innewohnen. Dies verlangt zunächst, dass Maßnahmen gegen die bereits bestehenden ökologischen Nachteile ergriffen werden. Mögliche Stellschrauben sind dabei einerseits infrastrukturelle Anpassungen auf Seiten der Betreiber. Neben dem Übergang von wasserintensiver traditioneller Verdunstungskühlung hin zu geschlossenen Flüssigkeitskühlsystemen, kann es sich dabei um den bewussten Einsatz von Regen- oder Brauchwasser anstelle von Trinkwasser oder eine gezielte Standortwahl der Rechenzentren in kühleren Regionen handeln, um die Vorteile einer natürlichen Kühlung durch die Außenluft zu nutzen. Energieschonend wirkt sich auch die bewusste Verlagerung intensiver Prozesse in kühlere Nachtstunden aus.

Andererseits bestehen ökologische Potentiale bei einer zielgerichteten Softwareentwicklung. Hier geht es bspw. um den Verzicht auf sehr große Modelle zugunsten kompakter, spezialisierter Sprachmodelle, wodurch die Rechenlast deutlich verringert werden kann. Durch algorithmische Optimierungen lässt sich potenziell die Zahl benötigter Rechenzyklen im Training senken. Beides trägt zur Senkung des Energiebedarfs bei.

Drei Beispiele, wie KI Ressourcen schonen kann

Es gibt bereits etliche Beispiele, die zeigen, dass KI-Anwendungen zukünftig verstärkt einen positiven Beitrag zur Schonung der planetaren Ressourcen leisten können. 

Im Rahmen eines Projektes, an dem u. a. das Fraunhofer IEE in Kassel und die Deutsche Energie-Agentur (dena) beteiligt waren, standen die Einsparungspotentiale von Energieverbräuchen in Nichtwohngebäuden im Fokus. Ein intelligenter Agent wurde dabei eingesetzt, um unter anderem Wärmepumpen, Ladesäulen sowie Photovoltaikanlagen verbrauchsoptimal zu steuern. Er diente als lernender Energiemanager, der auf Grundlage der Auswertung von smart erfassten Verbrauchsdaten die Gebäudetechnik aktiv steuerte. Zum Beispiel wurden Elektroautos an den Ladesäulen bevorzugt zu Zeiten geladen, an denen viel Solarstrom verfügbar war. 

Im Verbundprojekt „Smart Recycling Up“ wurde Künstliche Intelligenz eingesetzt, um großstückige Abfälle wie Sperrmüll oder Bauschutt vollautomatisch zu identifizieren und zu klassifizieren. Die KI-Methoden sollten es hochentwickelten Robotern und Sensoren ermöglichen, komplexe Materialstrukturen in Echtzeit zu erkennen und sortenrein zu trennen. Dies war bisher nur bei kleinstückigen Abfällen automatisiert möglich. Der KI-Einsatz sollte so einen Beitrag zur Digitalisierung der Kreislaufwirtschaft leisten und die Rückgewinnungsquote wertvoller Sekundärrohstoffe fördern.

Im Vorhaben „GreenTwin“ wurden eine KI-gestützte Marktplatzplattform und ein digitaler Zwilling entwickelt, um nachhaltige Mobilitäts- und Logistiklösungen für die letzte Meile im ländlichen Raum zu schaffen. Durch die Echtzeit-Berechnung von Ökobilanzen sowie Simulationen von Verkehrsströmen und Kaufverhalten sollten gezielt CO2-sparende und kooperative Transportkonzepte entworfen werden und in mehreren Pilot-Szenarien erprobt werden. Der KI-Einsatz sollte messbare Emissionsminderungen mit einer hohen Nutzerakzeptanz aufgrund einer steigenden Lebensqualität auf dem Land erreichen.

Fazit: KI lösungsorientiert einsetzen

Diese kursorische Betrachtung der ökologischen Auswirkungen des KI-Einsatzes zeigt die Ambivalenz der neuen Technologie. Einerseits gehen mit ihr erhebliche Ressourcenverbräuche insb. in den Bereichen Energie- und Wasserverbrauch einher. Erschwerend kommt der in diesem Beitrag aus Platzgründen unbeachtete Aspekt des Bedarfs weiterer im Bergbau gewonnener Ressourcen („seltene Erden”) hinzu, mit denen ebenfalls negative ökologische Effekte einhergehen. Auch die Frage nach der Art der Stromerzeugung (regenerativ, fossil oder atomar) musste unbeachtet bleiben. Andererseits zeigt die schlaglichtartige Darstellung der drei Pilotprojekte, dass der Einsatz von KI-Agenten in diversen Handlungsfeldern wie beispielsweise der Realisierung einer Kreislaufwirtschaft, der Umsetzung der Energiewende oder der nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums vielversprechende Lösungsansätze bereithält. Hier wird weitere Forschung zeigen müssen, wie sich ökobilanziell Einsparungspotentiale im Verhältnis zu den notwendigen Ressourcenbedarfen für den KI-Einsatz verhalten und wie hoch mögliche Effizienzgewinne ausfallen. 

Bereits heute zeichnet sich daher ab, dass auch im fortschreitenden digitalen Zeitalter das Thema Suffizienz nicht außer Acht gelassen werden sollte: Nicht jede Information muss mittels einer ressourcenintensiven KI-Abfrage gewonnen werden, nicht jeder Produktempfehlung des Algorithmus sollte gefolgt werden. Anders als bei materiellen Produkten ist jedoch im virtuellen Raum die Ressourcenintensität vieler konsumierter Güter nicht unmittelbar erkennbar. Nachhaltiges Verhalten bedingt daher mehr denn je ein reflektiertes digitales Nutzungsverhalten aufgeklärter und problemsensibler Nutzer*innen. Verzicht kann in diesem Fall schon damit beginnen, den Computer häufiger auszuschalten und sich stattdessen mit Freund*innen an der Sonne im Stadtpark zu erfreuen. Klingt doch eigentlich ganz gut.