Einflüsse von KI auf den Ressourcenverbrauch

Es sind erst wenige Jahre vergangen, seit ChatGPT einer breiten Öffentlichkeit die Möglichkeiten von KI-Assistenten zeigte. Seit 2022 können Interessierte das Tool nutzen, um Informationen zu finden, zu verstehen und in Texte, Ideen oder Lösungen umzusetzen. Zeitgleich entwickelte sich eine breite gesellschaftliche Diskussion hinsichtlich möglicher Gefahren, die mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) einhergehen. Dabei dreht sich die Debatte längst nicht nur um technische, sondern auch um rechtliche, demokratietheoretische oder ethische Fragen.  

Und die Umwelt?

Weniger Aufmerksamkeit fand lange die Frage nach den ökologischen Auswirkungen eines wachsenden KI-Einsatzes. Der größte Druck auf die Umwelt resultiert dabei aus dem wachsenden Ressourcenbedarf. Sowohl das Anlernen von technischen Anwendungen, die auf komplexen neuronalen Netzen basieren, als auch deren späterer Betrieb beruhen auf der Verarbeitung großer Datenmengen. Die dafür benötigten Rechenzentren verbrauchen große Mengen Strom. Expert*innen schätzen, dass 2026 bereits 31 Prozent des gesamten Stromverbrauchs bei Rechenzentren auf KI-optimierte Server entfallen werden und sich dieser Trend fortsetzen wird. Bereits 2027 könnten KI-Server mehr Strom verbrauchen als konventionelle Server. Hinzu kommt ein immenser Wasserbedarf für die Kühlung der Rechenzentren. Laut des Nachhaltigkeitsberichts von Microsoft aus dem Jahr 2024 wuchs der Wasserverbrauch des Unternehmens zwischen 2020 und 2023 von rund 4,2 auf 7,8 Mrd. Liter jährlich. Das entspricht einem Anstieg von gut 85 Prozent. Das kommt in etwa dem Wasserverbrauch von 52.000 4-Personen-Haushalten in Deutschland gleich. Erschwerend wirkt, dass in der Vergangenheit Rechenzentren zum Teil in wasserarmen Regionen gebaut wurden und dort zur Verschärfung von Wasserknappheiten beigetragen haben.

Neben diesen direkten Effekten sehen Expert*innen noch weitere Gefahren für die Umwelt. Im Marketing wird davon ausgegangen, dass sich die Kaufentscheidungen von Konsument*innen immer stärker durch Algorithmen beeinflussen lassen. Da personalisierte Empfehlungen passgenau die Wünsche von Verbraucher*innen treffen oder sogar erst erzeugen, entstehen permanent neue Konsumanreize. Schließlich kann KI dazu beitragen, bereits bestehende ökologische Herausforderungen der Digitalisierung wie die Entstehung von Reboundeffekten oder technische Obsoleszenz noch zu verstärken: So verbraucht eine einzelne generative KI-Anfrage bis zu zehnmal so viel Energie wie eine herkömmliche Suchmaschinenanfrage. Sowohl server- als auch clientseitig erzwingt der technische Fortschritt bei KI zudem ständig neue und leistungsfähigere Komponenten wie Grafikchips und Mikroprozessoren oder größere Arbeitsspeicher. Eine potentielle Folge ist, dass bestehende Hardware immer schneller veraltet und Smartphones oder Laptops häufiger ersetzt werden müssen. 

KI-Prozesse ressourceschonender gestalten

Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen stellt sich die Frage, ob und in welcher Weise dem KI-Boom auch ressourcenschonende Potentiale innewohnen. Dies verlangt zunächst, dass Maßnahmen gegen die bereits bestehenden ökologischen Nachteile ergriffen werden. Mögliche Stellschrauben sind dabei einerseits infrastrukturelle Anpassungen auf Seiten der Betreiber. Neben dem Übergang von wasserintensiver traditioneller Verdunstungskühlung hin zu geschlossenen Flüssigkeitskühlsystemen, kann es sich dabei um den bewussten Einsatz von Regen- oder Brauchwasser anstelle von Trinkwasser oder eine gezielte Standortwahl der Rechenzentren in kühleren Regionen handeln, um die Vorteile einer natürlichen Kühlung durch die Außenluft zu nutzen. Energieschonend wirkt sich auch die bewusste Verlagerung intensiver Prozesse in kühlere Nachtstunden aus.

Andererseits bestehen ökologische Potentiale bei einer zielgerichteten Softwareentwicklung. Hier geht es bspw. um den Verzicht auf sehr große Modelle zugunsten kompakter, spezialisierter Sprachmodelle, wodurch die Rechenlast deutlich verringert werden kann. Durch algorithmische Optimierungen lässt sich potenziell die Zahl benötigter Rechenzyklen im Training senken. Beides trägt zur Senkung des Energiebedarfs bei.

Drei Beispiele, wie KI Ressourcen schonen kann

Es gibt bereits etliche Beispiele, die zeigen, dass KI-Anwendungen zukünftig verstärkt einen positiven Beitrag zur Schonung der planetaren Ressourcen leisten können. 

Im Rahmen eines Projektes, an dem u. a. das Fraunhofer IEE in Kassel und die Deutsche Energie-Agentur (dena) beteiligt waren, standen die Einsparungspotentiale von Energieverbräuchen in Nichtwohngebäuden im Fokus. Ein intelligenter Agent wurde dabei eingesetzt, um unter anderem Wärmepumpen, Ladesäulen sowie Photovoltaikanlagen verbrauchsoptimal zu steuern. Er diente als lernender Energiemanager, der auf Grundlage der Auswertung von smart erfassten Verbrauchsdaten die Gebäudetechnik aktiv steuerte. Zum Beispiel wurden Elektroautos an den Ladesäulen bevorzugt zu Zeiten geladen, an denen viel Solarstrom verfügbar war. 

Im Verbundprojekt „Smart Recycling Up“ wurde Künstliche Intelligenz eingesetzt, um großstückige Abfälle wie Sperrmüll oder Bauschutt vollautomatisch zu identifizieren und zu klassifizieren. Die KI-Methoden sollten es hochentwickelten Robotern und Sensoren ermöglichen, komplexe Materialstrukturen in Echtzeit zu erkennen und sortenrein zu trennen. Dies war bisher nur bei kleinstückigen Abfällen automatisiert möglich. Der KI-Einsatz sollte so einen Beitrag zur Digitalisierung der Kreislaufwirtschaft leisten und die Rückgewinnungsquote wertvoller Sekundärrohstoffe fördern.

Im Vorhaben „GreenTwin“ wurden eine KI-gestützte Marktplatzplattform und ein digitaler Zwilling entwickelt, um nachhaltige Mobilitäts- und Logistiklösungen für die letzte Meile im ländlichen Raum zu schaffen. Durch die Echtzeit-Berechnung von Ökobilanzen sowie Simulationen von Verkehrsströmen und Kaufverhalten sollten gezielt CO2-sparende und kooperative Transportkonzepte entworfen werden und in mehreren Pilot-Szenarien erprobt werden. Der KI-Einsatz sollte messbare Emissionsminderungen mit einer hohen Nutzerakzeptanz aufgrund einer steigenden Lebensqualität auf dem Land erreichen.

Fazit: KI lösungsorientiert einsetzen

Diese kursorische Betrachtung der ökologischen Auswirkungen des KI-Einsatzes zeigt die Ambivalenz der neuen Technologie. Einerseits gehen mit ihr erhebliche Ressourcenverbräuche insb. in den Bereichen Energie- und Wasserverbrauch einher. Erschwerend kommt der in diesem Beitrag aus Platzgründen unbeachtete Aspekt des Bedarfs weiterer im Bergbau gewonnener Ressourcen („seltene Erden”) hinzu, mit denen ebenfalls negative ökologische Effekte einhergehen. Auch die Frage nach der Art der Stromerzeugung (regenerativ, fossil oder atomar) musste unbeachtet bleiben. Andererseits zeigt die schlaglichtartige Darstellung der drei Pilotprojekte, dass der Einsatz von KI-Agenten in diversen Handlungsfeldern wie beispielsweise der Realisierung einer Kreislaufwirtschaft, der Umsetzung der Energiewende oder der nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raums vielversprechende Lösungsansätze bereithält. Hier wird weitere Forschung zeigen müssen, wie sich ökobilanziell Einsparungspotentiale im Verhältnis zu den notwendigen Ressourcenbedarfen für den KI-Einsatz verhalten und wie hoch mögliche Effizienzgewinne ausfallen. 

Bereits heute zeichnet sich daher ab, dass auch im fortschreitenden digitalen Zeitalter das Thema Suffizienz nicht außer Acht gelassen werden sollte: Nicht jede Information muss mittels einer ressourcenintensiven KI-Abfrage gewonnen werden, nicht jeder Produktempfehlung des Algorithmus sollte gefolgt werden. Anders als bei materiellen Produkten ist jedoch im virtuellen Raum die Ressourcenintensität vieler konsumierter Güter nicht unmittelbar erkennbar. Nachhaltiges Verhalten bedingt daher mehr denn je ein reflektiertes digitales Nutzungsverhalten aufgeklärter und problemsensibler Nutzer*innen. Verzicht kann in diesem Fall schon damit beginnen, den Computer häufiger auszuschalten und sich stattdessen mit Freund*innen an der Sonne im Stadtpark zu erfreuen. Klingt doch eigentlich ganz gut. 

Lebensmittelüberschüsse vermeiden

Unsere Ernährung ist eine wichtige Stellschraube für den Klima- und Umweltschutz. Der Anbau von Primärgütern, ihre Verarbeitung und ihr Transport verbraucht große Flächen, viel Energie und Ressourcen. Die Folgen sind großer Landverbrauch, Überfischung oder die Emission klimaschädlicher Treibhausgase. Eine ressourcenbewusste Ernährung ist daher dringender denn je. Ratgeber empfehlen dafür zurecht insbesondere die Reduzierung des Fleischkonsums zu Gunsten pflanzlicher Produkte oder eine bewusste Ernährung mittels regionaler und saisonaler Erzeugnisse anstelle hochverarbeiteter Lebensmittel mit langen Transportwegen und einer tiefen Wertschöpfungskette.   

Dies sind wichtige Stellschrauben, mit denen jede*r Einzelne einen persönlich erkennbaren Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten kann. Zudem sind Maßnahmen gegen die anhaltend große Lebensmittelverschwendung ein weiterer wichtiger Hebel. Allein in Deutschland fallen laut Umweltbundesamt jährlich umgerechnet etwa 129 Kilogramm Lebensmittelüberschüsse pro Kopf an – eindeutig viel zu viel. 

Systemische Ansätze zur Vermeidung von Lebensmittelüberschüssen  
Von den bundesweit jährlich rund 11 Millionen Tonnen anfallender Lebensmittelabfälle stammen über die Hälfte aus privaten Haushalten. Dies lässt sich als Appell an jede*n Einzelne*n verstehen, zukünftig noch sorgsamer mit Nahrungsmitteln umzugehen. Zugleich entfallen rund 40 Prozent auf die Bereiche der Primärerzeugung und Weiterverarbeitung, den Handel sowie die Gastronomie. 

Lösungsstrategien entlang der Abfallvermeidungspyramide
Als theoretische Grundlage für die Betrachtung bietet sich das Modell einer auf dem  Kopf stehenden Abfallvermeidungspyramide an. Sie gliedert verschiedene Ansätze zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung hierarchisch: Ganz oben steht die grundsätzliche Forderung, die Überproduktion zu vermeiden. Es folgen Strategien, die sich der sinnvollen Verwendung von dennoch erzeugten Überkapazitäten widmen. Insgesamt soll so erreicht werden, dass möglichst keine Lebensmittel über den Rest- und Gewerbemüll entsorgt werden müssen (unterste Stufe der Pyramide). 

Quelle: Eigene Darstellung nach BMLUK
Optimierung von Produktions- und Angebotsmengen
Das oberste Ziel liegt in einer Vermeidung der Überproduktion von Lebensmitteln. Der Wunsch vieler Konsument*innen nach ständiger Verfügbarkeit jeglicher Lebensmittel in bestmöglicher Qualität ist dabei eine große Herausforderung. 
 
Die Vermeidung von Lebensmittelabfällen erfordert dabei systemische Hebel auf der Produktions- und Handelsebene – auch um die gesetzlichen Vorgaben der Europäischen Union einzuhalten. Immerhin sind die Mitgliedstaaten laut der novellierten EU-Abfallrahmenrichtlinie verpflichtet, ihre Lebensmittelabfälle bis zum Jahr 2030 spürbar zu reduzieren. Im Einzelhandel, in der Gastronomie sowie in den privaten Haushalten müssen die Abfälle pro Kopf verbindlich um 30 Prozent gesenkt werden. Für die Verarbeitung und Herstellung von Lebensmitteln gilt parallel dazu eine verpflichtende Reduktionsvorgabe von zehn Prozent. Vor diesem Hintergrund sind u. a. die folgenden fünf Stellschrauben zur Vermeidung der Überproduktion von Lebensmitteln denkbar:
 
  • Stärkere Nutzung von regionalem Vertragsanbau und Kontraktwirtschaft: Die Erzeugungsmengen regionaler Erzeuger*innen können so vorab genauer am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet werden.
  • Untersagung lebensmittelüberschussfördernder Handelspraktiken: Schädliche Kaufanreize wie bspw. Mengenrabatte im Handel („Nimm 3, zahl 2“) könnten gesetzlich untersagt werden, um künstlich hochgetriebene Absatzerwartungen zu stoppen und vermeidbaren Lebensmittelüberschüssen bei Verbraucher*innen entgegenzuwirken.
  • Selbstbindungsmaßnahmen in der Handelsbranche: Auf das vollständige Auffüllen von Brot- und Gemüseregalen vor Ladenschluss könnte verzichtet werden, um den täglichen Bestelldruck auf die Erzeuger*innen zu senken.
  • Ausweitung von Unverpacktangeboten: Durch den gezielten Abbau von Hürden für lose Ware können Verbraucher*innen exakt die von ihnen gewünschten Mengen erwerben, wodurch der Ausschuss am Ende der Kette sinkt.
  • Reform des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) bei langlebigen Lebensmitteln: Ein Verzicht auf das MHD bei Produkten wie Reis oder Nudeln trägt dazu bei, dass Lebensmittel nicht verfrüht entsorgt werden. Dies setzt jedoch wie bei den Unverpackt-Angeboten die Bereitschaft zu Anpassungen bei Hygiene- und Lebensmittelvorschriften voraus.

Produktion von Lebensmitteln für den menschlichen Konsum  
Dennoch im System anfallende Nahrungsmittelüberschüsse sollten so behandelt werden, dass sie weiterhin für den menschlichen Konsum geeignet bleiben. Die Verarbeitung und Aufbereitung der Produkte verursacht zwar zusätzliche Kosten, ist aber wichtig, um den Gebrauch überschüssiger Lebensmittel für den menschlichen Verzehr zu maximieren. Bezogen auf den Handel ist ein vielversprechender Ansatz die Etablierung sogenannter Überschussbörsen. Über diese können Überschüsse dokumentiert werden. Das hilft dabei, Überschüsse und aussortierte B-Ware weiterzuvermitteln und so zu vermeiden, dass sie entsorgt werden, obwohl sie noch verzehrbar sind. 

Das schafft eine Win-win-Situation, in der die Produzent*innen ihre überschüssige und aussortierte Ware weiterverkaufen können. Gleichzeitig können zusätzliche Erlöse erwirtschaftet werden. Die Kund*innen profitieren durch ihre Teilhabe an der Vermeidung von Lebensmittelverlusten.

Darüber hinaus können Produkte, die wegen ihrer „falschen“ Form oder Größe nicht im Supermarkt verkauft werden konnten, dennoch an geeignete Abnehmer*innen wie bspw. Großküchen vermittelt werden. 

Ergänzend zu diesen marktbasierten Ansätzen existieren bereits bewährte zivilgesellschaftliche Strategien: Häufig kooperieren Supermärkte mit den Tafeln und ähnlichen Initiativen („foodsharing“), die nicht verkaufte Lebensmittel sammeln und weitergeben. Damit leisten sie einen wichtigen sozialen und ökologischen Beitrag. Gleichzeitig erfordern diese Ansätze personelle Ressourcen und sind häufig auf ehrenamtliche Arbeit angewiesen. Sie können allein daher keine Lösung für die strukturellen Ursachen der Lebensmittelverschwendung darstellen.  

Futtermittelerzeugung und alternative Industrien 
Falls Lebensmittel nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet sind, gilt es zu prüfen, ob/inwieweit eine sekundäre Verwertung im Bereich der Futtermittelproduktion oder auf anderem Wege möglich ist. Ein gutes Beispiel dafür stellt abgelaufene Zitronensäure dar, die für die Lebensmittelindustrie nicht mehr geeignet ist. Diese kann jedoch weiterhin in der Produktion von Reinigungsmitteln verwendet werden. 

Verwendung in Biogas- und Kompostierungsanlagen 
Für Lebensmittelabfälle, die nicht in alternativer Weise weiterverwendet werden können, bleibt nur die Entsorgung. Dies sollte jedoch möglichst effizient erfolgen. Kaskadenabläufe, bei denen die entsorgten Lebensmittel zunächst in Biogas- und anschließend in Kompostieranlagen genutzt werden, bieten sich dazu an. Sie haben gegenüber der Entsorgung der Lebensmittelabfälle über den regulären Restmüll potenziell mehrere Vorteile: In ökonomischer Hinsicht erfolgt mit den Abfällen in zweifacher Weise eine Wertschöpfung. Sie werden zuerst energetisch für die Strom- und Wärmeerzeugung angesetzt und anschließend stofflich als Kompost. Die Kompostierung spart dabei im Vergleich zur Verbrennung nicht nur CO₂ ein, sondern ermöglicht die Herstellung von Dünger und Komposterde. Zugleich trägt sie zur Effizienz der Maßnahmen auf der letzten Stufe bei. Denn nasser Bioabfall verbrennt im Hausmüll nur sehr schlecht und senkt daher den Wirkungsgrad der Müllverbrennungsanlagen (unterste Stufe der Pyramide). 

Lebensmittel bewusst nutzen und Ressourcen schonen  
Die Verschwendung von Lebensmitteln ist sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Perspektive problematisch: Die CO₂-Emissionen, die in einer Welt ohne Lebensmittelverschwendung eingespart werden könnten, belaufen sich auf bis zu 3,3 Gigatonnen. Das sind rund dreimal so viele Emissionen, wie der weltweite Flugverkehr verursacht. Außerdem würde eine Fläche der dreifachen Größe der EU frei. Diese Fläche wird aktuell für die Produktion von Lebensmitteln genutzt, die am Ende verschwendet und nie gegessen werden. Gleichzeitig werden etwa 250 Billionen Liter Wasser vergeudet, was ungefähr dem dreifachen Volumen des Genfer Sees entspricht. Dies alles zeigt, dass wir sowohl auf individueller als auch systemischer Ebene der Lebensmittelverschwendung dringend entgegenwirken müssen. Der Gedanke der Suffizienz ist auch hier ein wertvoller Wegweiser, denn weniger ist bekanntlich oft mehr.

Die richtige Zeit, der richtige Ort – Ernährung suffizient gestalten

Volle Supermarktregale und ein abwechslungsreiches Angebot an Lebensmitteln sind für viele Menschen in den Ländern des globalen Nordens zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Ein Bewusstsein für die damit einhergehenden ökologischen Konsequenzen ist es oftmals nicht, obwohl sie umfangreich sind. Immerhin ist unsere Ernährung für ca. 15 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen pro Kopf in Deutschland verantwortlich.

Mit der Auswahl unserer Lebensmittel nehmen wir indirekt u. a. Einfluss auf den Landverbrauch und die Abholzung von Wäldern, die Nährstoffbelastung in den Gewässern oder die Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Da viele Produkte in anderen Ländern hergestellt werden, externalisieren wir zugleich den Ressourcenverbrauch. Importierte Produkte belasten nicht nur über anfallende Emissionen beim Transport die Umwelt, sondern tragen oft in den Anbauregionen zur Wasserknappheit bei, denn für den Betrieb von Plantagen und Gewächshäusern oder die Wasserversorgung in der Viehwirtschaft wird Wasser aus den regionalen Süßwasserkreisläufen entnommen. Sinkende Grundwasserspiegel oder austrocknende Seen können die Folge sein. Diese kursorische Liste der Umweltauswirkungen unserer Ernährung gibt einen Eindruck davon, wie komplex das Feld einer ökologisch nachhaltigen Ernährung ist. Dabei sind die nicht minder wichtigen sozialen Fragen nach den Arbeitsbedingungen der beschäftigten Menschen noch gar nicht berücksichtigt. 

Gar nicht so einfach

Doch bereits die Auswahl der vermeintlich ökologischsten Alternative kann Verbraucher*innen vor Herausforderungen stellen. Zum einen gehen mitunter bei der Kaufentscheidung unterschiedliche Bewertungskonzepte durcheinander: Ein CO2-Fußabdruck quantifiziert zwar die anfallenden Treibhausgasemissionen eines Produktes entlang dessen Wertschöpfungskette. Er beschreibt damit jedoch nur einen Teil der Umweltauswirkungen. Ein umfassenderes Bild zeigt daher der ökologische Fußabdruck, der zusätzlich bspw. den Düngemittel- und Wassereinsatz oder den Landverbrauch berücksichtigt. 2020 hat das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) für eine Reihe von Lebensmitteln detailliert unterschiedliche Fußabdrücke ermittelt. 

Das Ergebnis zeigt zunächst erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Umwelt- und Klimaauswirkungen bei verschiedenen Lebensmitteln. Dabei lässt sich sagen, dass der Konsum von Fleischwaren und tierischen Produkten wie Eiern, Milch oder Käse in den meisten Fällen mit höheren Klima- und Umweltauswirkungen einhergeht als bei vegetarischen Alternativen. 

Doch auch innerhalb der Gruppe der „grünen” Produkte bestehen erhebliche Unterschiede bspw. aufgrund der Transportart und des Anbaugebiets. Eine ressourcenschonende Ernährung sollte daher Saisonalität und Regionalität von Lebensmitteln beachten. Hier kann ein Transparenzproblem auftreten. Denn für Verbraucher*innen ist häufig zwar erkennbar, woher das Produkt stammt, jedoch nicht zwingend, wie es transportiert wurde. Beispielsweise beträgt laut der Studie des ifeu der CO2-Fußabdruck einer „Flugananas” 15,1 kg CO2e. Der Fußabdruck eines neuseeländischen Apfels hat mit nur 0,8 kg CO2e dagegen nur einen Bruchteil davon. Erfolgt der Transfer der Ananas jedoch per Schiff, dann sinkt der Fußabdruck auf 0,6 kg CO2e und ist damit sogar geringer als der des neuseeländischen Apfels. Anhand des Apfels wird noch etwas deutlich: Ökologisch vorteilhaft ist es in den meisten Fällen, wenn die Lieferwege kurz sind – die Lebensmittel also aus der Region stammen. Denn im Vergleich zum neuseeländischen Apfel ist der Fußabdruck eines heimischen Apfels nur halb so hoch und liegt bei 0,3-0,4 kg CO2e pro kg. Allerdings gibt es hier eine wesentliche Einschränkung: die Saisonalität. 

Das Zusammenspiel zwischen den Einflussfaktoren lässt sich gut am Beispiel der allseits beliebten Tomaten darstellen: Saisonale Tomaten aus Deutschland haben laut der Studie des ifeu mit 0,3 kg CO2e pro kg sogar eine minimal bessere CO2-Bilanz als eine südeuropäische Tomate (0,4 kg CO2e pro kg). Bei außerhalb der Saison in Deutschland in beheizten Gewächshäusern angebauten Tomaten ist der CO2-Fußabdruck jedoch aufgrund der energieintensiven Methode deutlich größer und beträgt 2,9 kg CO2e pro kg. 

Dies darf vor dem Hintergrund zunehmender Wasserknappheit in vielen der Hauptanbauländer nicht als Aufforderung missverstanden werden, den Konsum von wärmeliebendem Obst und Gemüse aus Südeuropa und vergleichbaren Anbauregionen auf die deutschen Wintermonate zu begrenzen. Stattdessen ist es vielmehr ein starkes Argument für eine regional und saisonal sowie vorwiegend pflanzenbasierte Ernährung. 

Suffizienz im Ernährungsalltag

Doch wie gelingt diese Anpassung am besten? Eine kritische Selbstreflexion der eigenen Verbrauchsgewohnheiten bietet dafür einen guten Einstieg. Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, welche Lebensmittel wann und wie oft auf dem Tisch stehen. Ein hilfreiches Instrument kann ein Ernährungstagebuch sein, in dem die täglichen Speisen vermerkt werden. 

Bei der Umstellung der Ernährungsgewohnheiten können Ratgeber helfen. Informationsangebote wie das der Verbraucherzentrale oder der Saisonkalender des Bundeszentrums für Ernährung zeigen auf einen Blick analog oder digital, welche heimischen Lebensmittel gerade Saison haben. Apps und Internetseiten wie regional-saisonal oder „Deutschland– mein Garten” gehen noch einen Schritt weiter und bieten Rezeptvorschläge für jede Jahreszeit. Auch in den Sozialen Medien haben sich Kanäle wie bspw. der von Laura Hirsch etabliert, in denen vorwiegend junge Menschen Rezepte für den eigenen Sauerteigstarter oder Anleitungen zum Fermentieren mit ihrer Community teilen. 

Eine wichtige Funktion für eine regionale Versorgung und ressourcenschonende Ernährung nehmen Wochenmärkte ein. Sie bieten regionalen Erzeugern eine Vertriebsmöglichkeit. Darüber hinaus ermöglichen sie unmittelbaren Kontakt zwischen Erzeuger*innen und Verbraucher*innen. Über den Austausch können Vertrauen und Transparenz wachsen. Auf der Plattform Wochenmarkt Deutschland sind hierfür bundesweit Informationen zu Märkten gesammelt. 

Altes neu entdecken und Neues Kennenlernen

Eine suffiziente Ernährung ist mehr als der ökologisch sinnvolle Verzicht auf klimaschädliche Steaks aus Argentinien, Flugananas oder wasserhungrige Avocados. Sie stellt zugleich eine Chance dar, Neues in der Küche zu erproben. Lang vergessene Kochrezepte aus Omas Kochbuch können kulinarische Überraschungen mit Kohl und Pastinaken bieten. Das Einkochen saisonaler Früchte an einem regnerischen Nachmittag kann erholsam entschleunigend sein. Regionale Ernährung fördert zudem die Entflechtung langer globaler Wertschöpfungsketten, senkt das Verpackungsaufkommen und trägt zur Stärkung des sozialen Miteinanders auf regionaler Ebene bei. In diesem Sinne: Liebe geht bekanntlich durch den Magen – Nachhaltigkeit tut es auch.

Gebäude nachhaltig mit Leben füllen: Potenziale der effektiveren Auslastung des Gebäudebestands – ein Gastbeitrag von Astrid Hake 

Hast du dir schon einmal vorgestellt, in einem ehemaligen Kloster zu wohnen? Die Berge und den Kochelsee im Blick? Im cohaus kloster schlehdorf könntest du dies realisieren. Dort entsteht seit 2018 eine Gemeinschaft der besonderen Art: Cluster-Wohnungen, Co-Working und Raum für Veranstaltungen versammeln sich unter dem Dach des ehemaligen Klosters.

Kirchengebäude in neuer Funktion

So wie das Kloster Schlehdorf gibt es tausende kirchliche Gebäude, die ihre ursprüngliche Funktion angesichts einer zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft und schwindenden Kirchenmitgliedszahlen verlieren. Schätzungen zufolge wird rund ein Drittel der 160.000 kirchlichen Liegenschaften bundesweit in den kommenden Jahrzehnten überflüssig. Es geht dabei nicht nur um Sakralbauten, sondern auch um Gemeindezentren, Pfarrhäuser oder Kitas. Es wird innerhalb der Kirchen intensiv diskutiert, welche Gebäudeflächen für die zukünftige kirchliche Arbeit noch benötigt, finanziert und erhalten werden können. Es werden zukünftige Bedarfe prognostiziert und langfristige Planungen angestellt.

An dem Transformationsprozess kirchlicher Liegenschaften werden die konkurrierenden Interessen und die Diskussion über die Bedeutung des Gebäudebestands und seiner Nutzung deutlich. Warum sich die Mühe machen und Nutzungskonzepte überdenken? Sollen die alten Gebäude nicht einfach abgerissen und durch energieeffizientere Neubauten ersetzt werden?

Flächenfraß und Ressourcenverbrauch im Gebäudesektor

Bauen und Wohnen bringen erhebliche Klima- und Umweltbelastungen mit sich. In Deutschland ist der Gebäudesektor für 40 Prozent der Treibhausgasemissionen, 55 Prozent des Abfallaufkommens und 50 Prozent der verarbeiteten Rohstoffe verantwortlich.[1] Jeden Tag wird die Fläche von etwa 26 Fußballfeldern durch die Errichtung von Neubauten versiegelt. Hinzu kommt der Flächenverbrauch durch Straßen und Plätze, die im Umfeld der Gebäude entstehen und weitere Umweltbelastungen mit sich bringen. Gleichzeitig führt das Wohnen vor allem in den Ballungszentren wieder zu sozialen Notlagen. Heizkosten und Mieten steigen, und die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum ist größer als das Angebot.

Mit dem sogenannten „Bau-Turbo“ setzt die Bundespolitik bislang vor allem auf die Ankurbelung des Neubaus als Antwort auf Wohnraumknappheit. Der Reflex ist verständlich, doch greift er zu kurz. Wesentlich nachhaltiger und sozial gerechter wäre es, zunächst die Potenziale im Gebäudebestand zu nutzen. Bundesweit haben 2022 laut Gebäude- und Wohnungszählung des Zensus mehr als 1,92 Millionen Wohnungen leer gestanden. Dies entspricht einem Anteil von 4,5 Prozent. Darüber hinaus gibt es einen hohen Anteil an ungenutztem unsichtbarem Wohnraum. Dazu gehören zum Beispiel Zimmer in großen Wohnungen oder Einfamilienhäusern, die nicht mehr benötigt werden. Diese Räume könnten eine Lösung für den Wohnungsmarkt darstellen. Schätzungen zufolge könnten über das Ausschöpfen aller Möglichkeiten des unsichtbaren Wohnraums 100.000 Wohnungen geschaffen werden. Wohnraum ist im Bestand theoretisch ausreichend vorhanden, er ist nur ungleich verteilt und befindet sich nicht immer an dem Ort, wo er gebraucht wird.

Umnutzen statt Neubauen

Kreative Wohnlösungen, die bestehende Ungleichheiten und die erwartbaren demografischen Veränderungen in den Blick nehmen, sind deshalb gefragter denn je. Dazu zählen z. B. die Umnutzung von Büro- und Nutzgebäuden zu Wohnraum, die Aufstockung und Erweiterung von Wohn- und Nutzgebäuden oder die Unterteilung von Einfamilienhäusern in kleinere Wohneinheiten. Diese zusätzlichen Wohnungen entstehen mit deutlich geringerem Ressourceneinsatz als bei Neubauten[2] aufgrund der eingesparten „grauen“ Emissionen, die durch Herstellung von Materialien, Transport und Bau entstehen. Langfristig verursachen Sanierungen in den meisten Fällen weniger Emissionen als Neubauten. Oft können Bedarfe ohne energie- und materialintensive Baumaßnahmen erfüllt werden, z. B. durch Wohnungstausch-Angebote, Wohnformen mit Sharing-Konzepten, Mitnutzung bestehender Infrastruktur oder Mehrfachnutzungen, Aktivierung von Leerstand im ländlichen Raum, Untervermietung oder Formen gemeinschaftlichen Wohnens wie Wohnpartnerschaften und Mehrgenerationen-WGs.

Umbau rechnet sich auch wirtschaftlich. Untersuchungen zeigen, dass Aufstockungen oder Umnutzungen von Bürogebäuden im Vergleich zu einem konventionellen Neubau 28 Prozent bzw. 62 Prozent günstiger sind. Die Preisunterschiede werden wahrscheinlich hinsichtlich steigernder Bauzinsen, Problemen in den Lieferketten, veränderten Förderbedingungen, der allgemeinen Inflation sowie des Fachkräfte- und Materialmangels weiter steigen. Die bedarfsgerechte Versorgung mit Wohnraum im Quartier durch diese Möglichkeiten steigert zudem die soziale Stabilität und Wohnzufriedenheit. Gemeinschaftliche Wohnformen können ein Mittel gegen die Vereinsamung sein.

Wandel ermöglichen

Die Vorteile des Vorrangs für Bauen im Bestand liegen auf der Hand, viele Fachleute sehen darin einen Weg, schneller, ökologischer und günstiger Wohnraum zu schaffen. Es erfordert von Stadtplanung und Bauwirtschaft andere Instrumente als beim Neubau, bei dem vieles standardisiert ist. Stattdessen sind Analysefähigkeit, Problemlösungskompetenz und Improvisationsbereitschaft gefragt. Von der politischen Seite könnte eine effektivere Auslastung des Bestands unterstützt werden. Steuerungsmöglichkeiten gäbe es zahlreiche: von meldepflichtigem Leerstand, Wohnraumagenturen, Recht auf Wohnungstausch, Förderprogrammen bis hin zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen, die den Umbau erleichtern, wie etwa die Muster-Umbauordnung.

Es kommt in jüngster Zeit einiges bei dem Thema in Bewegung. Davon zeugen zahlreiche Tagungen, Diskussionsforen, Fachartikel, politische Forderungen von Netzwerken und nicht zuletzt 2023 die Gründung des Verbands Bauen im Bestand. Es entstehen neue Kooperationen und Netzwerke auch mit kirchlichen Institutionen wie der Arbeitskreis kirchliche Liegenschaften im Forum gemeinschaftliches Wohnen.

Ökologisch und sozial ein Gewinn

Innerhalb der Kirchen werden vielerorts kreative Nutzungskonzepte, Umbau- und Umnutzungen umgesetzt. Kooperationen mit kommunaler Verwaltung, Vereinen oder anderen Religionsgemeinschaften zur gemeinschaftlichen Entwicklung und Nutzung des Gebäudebestands kommen dabei in den Blick und stellen eine Möglichkeit dar, die Gebäude im Bestand zu halten. Die Stiftung KiBa, die sich für den Erhalt von Kirchbauten einsetzt, lässt der Fantasie freien Lauf, wie Kirchräume genutzt werden könnten. Die Palette ist vielfältig und umfasst ebenso die Einrichtung eines Repair-Cafés, einer Paketstation oder einer Herbergsunterkunft wie die Durchführung von Tanzveranstaltungen oder Trampolinspringen. Die Zugehörigkeit zu einer Kirche mag in unserer säkularisierten Gesellschaft rückläufig sein, aus baukultureller Sicht prägen die Kirchgebäude unsere Wahrnehmung vom öffentlichen Raum. Zwischen Wohnung und Arbeit dienen sie als dritte oder vierte Orte, die Räume für Begegnung und Gemeinschaft anbieten. Wenn sich Gemeinden für einen Umbau oder eine Umnutzung entscheiden, kommen vielfältige Möglichkeiten zustande: vom Wohnen, Tanz- und Theatersälen, Stadtteilzentren, Cafés und Begegnungstätten, sozialen Einrichtungen bis hin zu Werkstätten. Gemeinsam ist ihnen, dass die Gebäude erhalten bleiben und einer gemeinwohlorientierten Nutzung übergeben werden, um auch dem Anspruch an Kirche gerecht zu werden „Gebäude nachhaltig mit Leben füllen!“.

Astrid Hake ist Sozialwissenschaftlerin mit Schwerpunkt nachhaltige Entwicklung und Unternehmensverantwortung. Sie arbeitet als politische Referentin im bundesweiten kirchlichen Bündnis „Eine Erde. Das ökumenische Netzwerk“, das sich für die sozial-ökologische Transformation in Kirche, Politik und Gesellschaft einsetzt. Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Auseinandersetzung mit Suffizienz.

Literatur

[1] Bauwende Allianz (aufgerufen am 04.03.2026).

[2] Fuhrhop, Daniel (2023): Der unsichtbare Wohnraum, Bielefeld: transcript.

Der ökologische Handabdruck

Konzepte wie der Ökologische oder der CO₂‑Fußabdruck sind immer mehr Menschen ein Begriff. Sie zeigen die ökologischen Konsequenzen unserer Lebens- und Konsumgewohnheiten und dienen als Maßstab dafür, wie sich unser individueller Lebensstil auf das Klima auswirkt. Eine ganze Reihe von Tools wie bspw. der CO₂-Rechner des Umweltbundesamtes oder der Kalkulator des Global Footprint Networks machen es möglich, per Klick die eigenen Umweltauswirkungen zu erfassen. Anhand der Auswertungsübersichten können sich Interessierte mit dem nationalen oder sogar globalen Durchschnitt vergleichen und gleichzeitig Bereiche und Tätigkeiten erkennen, die besonders ressourcenintensiv sind. 

In den allermeisten Fällen liegt der Ressourcenverbrauch von Menschen aus Ländern des Globalen Nordens dabei mehr oder weniger deutlich oberhalb dessen, was mit einer nachhaltigen Lebensweise auf unserem Planeten vereinbar ist. Dies zeigt der im Zeitverlauf immer weiter an den Jahresanfang rückende Erdüberlastungstag anschaulich.

Quelle: RCraig09, Earth Overshoot Day, online unter: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61539157#/media/File:1971-_Earth_Overshoot_Day_-_line_chart.svg, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Das Konzept des Erdüberlastungstags markiert dabei den Tag des Jahres, an dem alle natürlichen Ressourcen aufgebraucht wurden, die uns die Erde innerhalb eines Jahres zur Verfügung stellen kann. Letztes Jahr war dieser Punkt auf globaler Ebene bereits am 24. Juli erreicht. Jedoch variieren die Konsummöglichkeiten und Lebensweisen von Menschen in verschiedenen Ländern erheblich. Würden alle Menschen der Erde so leben wie die Einwohner*innen Deutschlands, würde der Erdüberlastungstag schon am 10. Mai, im Falle Kolumbiens dagegen erst am 1. Oktober erreicht werden. 

Mehr als individueller Verzicht – der ökologische Handabdruck

Wenn sich Personen mit dem Thema „Ressourcenverbrauch“ auseinandersetzen und eines der diversen Berechnungstools ungeschönt ausfüllen, kann ein deprimierendes Bild entstehen: Der eigene Bedarf ist deutlich zu hoch und der individuelle Handlungsspielraum begrenzt.

Um neue Kraft zu schöpfen, kann sich ein Perspektivwechsel anbieten. Anstelle bloß auf die verursachten Ressourcenverbräuche zu schauen, werden zusätzlich persönliche Anstrengungen im Sinne der Nachhaltigkeit berücksichtigt. Auch alltägliche Suffizienzmaßnahmen erscheinen dabei in einem anderen Licht, denn im Mittelpunkt steht nun weniger das, worauf man verzichtet. Vielmehr geht es um das, was man alleine, aber vor allem gemeinsam mit anderen verändert und verbessert. Die Rede ist an dieser Stelle vom ökologischen Handabdruck. Er wurde von der indischen Bildungseinrichtung Centre for Environmental Education entwickelt. Das Konzept hilft dabei, das eigene Engagement sichtbar zu machen – sei es im persönlichen Umfeld oder durch politische Mitgestaltung. Während der ökologische Fußabdruck didaktisch den Fokus auf Ursachentransparenz und Vermeidungspotentiale legt, steht der Handabdruck symbolisch für Gestaltungswillen und Machbarkeit. 

Den eigenen Handabdruck vergrößern – ein Plädoyer für mehr gemeinsame Lösungen

Die Vergrößerung des eigenen Handabdrucks kann dabei auf vielerlei Wegen erfolgen. Es ist ebenso die politische Unterstützung einer sozial-ökologischen Petition wie die Sachspende für den örtlichen Stadtgarten oder die finanzielle Unterstützung einer Klimaschutz-Initiative. 

Der ökologische Handabdruck betont dabei den Mehrwert, den wir gemeinsam mit und für andere erreichen können. Er kann sowohl dazu beitragen, den sozialen Zusammenhalt zu stärken als auch ressourcenschonende Alternativen zu erproben, die einem alleine verschlossen bleiben. Ein gutes Beispiel dafür ist die Organisation von Fahrgemeinschaften in Regionen mit einem ausgedünnten ÖPNV-Netz. Erst durch die Abstimmung mit anderen wird es möglich, die eigene ökologische Mobilitätsbilanz dauerhaft zu verbessern und das kommunale PKW-Aufkommen auf den Straßen zu vermindern. Nebenbei hat es noch weitere Vorteile: Man ist häufiger Beifahrer*in, lernt in Gesprächen die Mitfahrenden besser kennen und kommt entspannter an. Auch Fahrgemeinschaften zwischen Eltern bieten in dieser Hinsicht Vorteile: Sie entlasten die Umwelt infolge eines sinkenden PKW-Aufkommens und helfen zugleich, alle beruflichen und familiären Tagesaufgaben unter einen Hut zu bekommen. Ein anderes Beispiel ist die Verschwendung von Lebensmitteln: Auf individueller Ebene lässt sich durch weitsichtiges Einkaufen und eine strukturierte Nahrungsmittelverwertung persönlich vermeiden, dass Lebensmittel in großer Menge in den Müll wandern. Berücksichtigt man jedoch die immensen Mengen an Nahrungsmitteln, die bereits im Einzelhandel entsorgt werden, wird schnell klar, dass gemeinsam mit anderen noch deutlich mehr möglich ist. Folgerichtig haben sich aus diesem Grundgedanken an vielen Orten ehrenamtliche Foodsharing-Initiativen gebildet, die sich immer über Mitstreiter*innen freuen. Und falls es in einem Ort noch kein entsprechendes Angebot gibt, ist es sicherlich an der Zeit, dem Abhilfe zu schaffen. 

Dies sind nur zwei Beispiele, die zeigen, dass Suffizienz- und Nachhaltigkeitsbemühungen nicht auf die individuelle Ebene begrenzt sein sollten. Falls der eine oder andere sich nun fragt, welche Möglichkeiten es noch gibt, um seinen ökologischen Handabdruck zu vergrößern, dem sei diese Infoseite von Germanwatch mit vielen Anregungen wärmstens empfohlen.

Fazit 

Der ökologische Fuß- und Handabdruck sind interessante, sich ergänzende Konzepte zur nachhaltigen Ausrichtung unseres Alltagshandelns. Einerseits sehen wir das Ausmaß unseres Ressourceneinsatzes und unsere Verbindlichkeiten gegenüber der Umwelt. Andererseits liefert der ökologische Handabdruck Inspirationen, um gemeinsam mit anderen ins Handeln zu kommen und einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit zu leisten. Dabei ist es wie mit vielen anderen Dingen im Leben auch: Zusammen macht es einfach mehr Spaß.