All you need is less – Eine Kultur des Genug aus ökonomischer und buddhistischer Sicht

Das neue Buch von Manfred Folkers und Niko Paech „All you need is less“ erläutert die Ursachen und Auswirkungen von Konsum – von der „Gier-Wirtschaft“ – und zeigt den möglichen Wandel hin zu einer „Kultur des Genug“.

Aufgeteilt in zwei Essays setzen sich die beiden Autoren auf unterschiedliche Art und Weise mit dem großen Thema Suffizienz auseinander.

Folkers bringt in seinem Text „Buddhistische Motive für eine Überwindung der Gier-Wirtschaft“ die Lehren des Buddah in Bezug zu unserem heutigen gesellschaftlichen System. Er erläutert die von Buddah aufgestellten grundlegenden Lehren und die menschlichen Eigenschaften und kommt zu der Erkenntnis: „Die Kräfte, die die Menschheit ins Goldene Zeitalter führten – Begehren, Abneigung und Täuschung -, sind offenbar die gleichen, die sie nun in den Untergang treiben.“ (S.57) Diese Eigenschaften gilt es nun von jedem einzelnen zu überwinden. Grund Essenz ist also die Erkenntnis, dass „ […] die sogenannte Geisteshaltung aus dem Würgegriff der drei Dogmen der Wachstumswirtschaft […]“ (S.92) befreit werden muss. Da wie schon erwähnt jeder Mensch seine persönlichen Gewohnheiten selbst umzustellen hat, eignet sich die von Buddah gelehrte Methode der Meditation. Denn „[d]ie Abkehr von der Gier-Ökonomie und die Entwicklung einer von Wohlwollen und Solidarität bestimmten Wirtschaft erfordern einen inneren Wandel.“ (S.107) Folkers zeigt uns also auf WIE und DASS es unserer Gesellschaft, mithilfe von „geistig-spirituelle[r] Unterfütterung“ (S.117) möglich ist, das zum Scheitern verurteile System zu ändern.

Für Niko Paech ist Suffizienz ein „überlebenswichtiges Entzugsprogramm“ (S.123), dass sich von nachhaltigem Konsum deutlich abgrenzt. Diese „[…] steht für eine zwanglose Neujustierung individueller Freiheit, wobei sie zwei gegensätzliche Perspektiven einnimmt. Wenn der Planet erstens physisch begrenz ist, zweitens entkoppelt werden kann, drittens die irdischen Lebensgrundlagen dauerhaft erhalten bleiben sollen und viertens globale Gerechtigkeit herrschen soll, muss eine Obergrenze für die von einem einzelnen Individuum in Anspruch genommene materielle Freiheit existieren. Diese kann sich nur an der Gesamtbilanz aller ökologischen Handlungsfolgen bemessen.“ (S.215) Im Verlauf seines Textes nennt er Gründe für die Wende zur Suffizienz und geht auf die Grenzen (des Wachstums) unserer Gesellschaft ein, anhand denen er erklärt warum Suffizienz kein Verzicht ist, sondern dringend notwendig.

Für mich, so wie vermutlich auch für einige andere, verfolgt das aktuelle System, in dem wir leben, nicht die richtigen Werte und Ziele. Mit diesem Buch haben Manfred Folkers und Niko Paech es geschafft besser verstehen zu können – zumindest Ansatzweise – warum alles so aussieht wie es aussieht. Gleichzeitig regt einen das Buch zum Nachdenken – teilweise über bis dato unbekannte Zusammenhänge – und zum kritischen Hinterfragen seines eigenen Lebensstils an. Es ist ein sehr interessantes Buch welches ab und an zwar nicht einfach zu verstehen ist, sich das Durchhalten jedoch lohnt.

#KaufnixChallenge – ein suffizienter Alltag ist möglich!

In unserer #KaufnixChallenge haben wir viel über ein nachhaltiges Konsumverhalten gelernt und herausgefunden, wie wir unseren Alltag noch suffizienter gestalten können. Die Anti-Verbraucher-Pyramide hat uns dazu inspiriert, Alltagsgegenstände mehrmals zu nutzen, selbst herzustellen, zu tauschen, zu leihen und Gebrauchtes zu kaufen.

Die Anti-Verbraucher-Pyramide

Angefangen mit dem Thema „Nutze, was du hast“ haben wir unseren Fokus auf die Vermeidung von Plastikverpackungen gelegt. Nachdem wir gezeigt haben, wie sich eine Mittagspause möglichst ohne Abfall gestalten lässt, erreichten uns viele weitere Strategien und Tipps zur Plastikvermeidung im Haushalt.

In Anlehnung an die Stufen der Anti-Vebraucher-Pyramide ging es mit dem Vorsatz, etwas selbst zu fertigen, weiter. Für uns und unsere Teilnehmenden war dies einer der originellsten Tage. Wir lernten nicht nur, wie einfach und umweltschonend es ist, ein Waschmittel selbst herzustellen. Darüber hinaus haben wir viele tolle Ideen zum Re- und Upcycling erhalten: eine Lampe verziert mit Muffinförmchen; ein Blumenkübel, hergestellt aus einer Kokosnussschale oder selbstgemachte Hafermilch.

Beiträge von Teilnehmenden

An den folgenden Tagen waren wir im Berliner Stadtleben unterwegs und haben tolle Möglichkeiten zum Tauschen, Leihen und Gebrauchtes kaufen entdeckt. Beispielsweise haben wir mit viel Freude unser aktuelles Jahrbuch Ökologie in einer der zahlreichen Bücherboxen Berlins getauscht und konnten auch weitere Teilnehmende für den Büchertausch anregen. Begeistert hat uns am folgenden Tag das vielseitige Angebot an Gesellschaftsspielen der Ludothek-Spielwiese.Auch das Secondhand-Angebot des Mauerpark Flohmarktes hat uns trotz Regenwetter zum Strahlen gebracht.

Wenn es um das Thema ökologisch, nachhaltig und fair Einkaufen geht, gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten. Das suffiziente Konzept von SirPlus überzeugt uns schon seit langer Zeit, sodass wir das Interview mit Raphael Fellmer noch einmal geteilt haben.

Eigene Challenge-Beiträge

Letztendlich blicken wir dank den positiven Rückmeldungen und kreativen Ideen erfolgreich auf unsere Challenge zurück. Wir nehmen mit, dass das Thema Suffizienz bereits großen Anklang findet und dass das Austauschen von Ideen sehr motivierend ist.

Die Challenge hat mir gezeigt, wie wichtig es ist und wie viel Spaß es machen kann, das alltägliche Leben suffizient zu gestalten.“ – Moritz, Gewinner der Challenge

Wir haben uns sehr über Ihre kreativen Einsendungen gefreut und bedanken uns fürs Mitmachen. Auch wenn unsere Challenge nun vorbei ist geht das suffiziente Leben weiter. Denn je weniger und nachhaltiger wir konsumieren, desto schöner ist auch der Blick in die Zukunft!

Was Suffizienz mit einem Tiny House zu tun hat

Eigentlich geht der Trend der Wohnfläche in den letzten Jahrzehnten steil aufwärts. 2018 betrug die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf in Deutschland 46,7 Quadratmeter, in den USA sogar bis zu 74 Quadratmetern (Umweltbundesamt, 2019; Boeckermann, 2017).  In den Besitzmaximierung gesprägten Konsumgesellschaften sind Häuser und ihre Größe immer mehr zum Statussymbol geworden. Dazu im Gegensatz steht die Tiny House Bewegung. In kleinen, meist mobilen, Häusern leben die Menschen auf geringstem Raum mit möglichst wenig Besitz. Gründe dafür sind die immer stärker steigenden Kosten der Anschaffung und Erhaltung von Immobilien, vor allem in Ballungsgebieten, der Wunsch nach mehr Mobilität und Selbstverwirklichung und die Überdenkung des eigenen Lebensstils und des eigenen ökologischen Fußabdrucks (Biron).

Photo by Andrea Davis on Unsplash

Tiny Houses gibt es in verschiedenen Größen, doch ihrem Namen bleiben sie alle treu: Nur zehn bis 55 Quadratmeter groß sind die meisten Häuser. Sie werden häufig auf einen PKW-Anhänger gebaut, um möglichst mobil zu sein, aber es gibt zum Beispiel auch Tiny Houses aus Containern, die unbeweglich sind. Auch wenn es mitttlerweile eine große Vielzahl von Varianten und Designs gibt, ist die traditionelle Bauform mit einem Satteldach, unter dem sich die Schlafebene befindet. Ansonsten besteht das Tiny House meist aus einem großen Raum, der Küche und Wohnzimmer vereint. Typische Einrichtungselemente sind einziehbare Sofas, einklappbare Tische und intelligente Aufbewahrungssysteme, um den vorhandenen Platz möglichst effizient zu nutzen. Die Badezimmer sind ebenfalls deutlich kleiner, teilweise trotzdem mit normalen Toiletten und Duschen ausgestattet, ansonsten mit einer Komposttoilette (Kilman, 2016).

Die Preise für Tiny Houses variieren stark nach Größe, Anbieter*innen und in welchem Zustand das Tiny House ausgeliefert wird und wie viel Arbeit man selbst hineinsteckt. So beginnt ein Rohbau-Haus in Deutschland bei ca. 18.000€ inklusive Trailer, Bodenplatte, Holzkonstruktion und Wandverkleidung. Für ein bezugsfertiges Tiny House, in das man direkt einziehen kann, sollte man jedoch mit mindestens 45.000€ rechnen. Eine Grenze nach oben gibt es, genau wie bei konventionellen Häusern, nicht (Sven und Sig, 2020).

Die Tiny House Bewegung nahm ihren Anfang am Ende des 20. Jahrhunderts in den USA. 1998 veröffentliche die Architektin Sarah Susanka das Buch „The Not So Big House – A Blueprint For the Way We Really Live“ und ihre Ideen wurden zunächst vor allem von Bastlern und Aussteigern aufgegriffen und verbreitet. Mit Hilfe von TV-Formaten, weiteren Büchern, Blogs und YouTube-Kanälen kamen die Kleinsthäuser auch schnell im Mainstream und in anderen Ländern an (Biron).

Ursprünglich begann die Bewegung vermehrt wegen einer notwendigen Kostenreduktion, mittlerweile ist aber auch der Wunsch nach einem nachhaltigen Wohnen und Leben eine große Motivation, um in ein Tiny House zu ziehen. Doch nicht jedes Tiny House ist ein langfristiges Zuhause: Tiny Houses werden auch vermehrt als Gästehäuser oder als Geschäftsbüros genutzt.

Auch in Deutschland ist die Bewegung schon seit längerem angekommen. Um sich für die Entstehung von Tiny House Siedlungen und minimalistisches Wohnen einzusetzen bilden sich Interessengemeinschaften und Vereine. Denn einfach ist die rechtliche Lage in Deutschland nicht: Ein Tiny House kann man nicht einfach hinstellen, wo man möchte. Auf einigen Campingplätze ist die Anmeldung eines Wohnsitzes zugelassen, auf jedem anderen Grundstück muss in jedem Fall ein Bauantrag gestellt werden und der geplante Stellplatz muss mit Wasser- und Abwasserentsorgung, Strom und verkehrsgerechter Anbindung an eine Straße voll erschlossen sein (Focus.de, 2019).

Im Fichtelgebirge hat sich das erste Tiny House Village Deutschlands gegründet: Auf dem Gelände eines ehemaligen Campingplatzes befinden sich nun 35 Grundstücke für kleine Häuser. 30 Bewohner*innen leben in diesem Dorf, die sich Lagerfeuerplätze, Permakulturgärten und Erholungsflächen teilen. Außerdem bieten sie ein Tiny House Hotel für Interessierte an (tinyhousevillage.de). Laut einer Umfrage von Interhyp können sich immerhin 13% der Deutschen vorstellen, dauerhaft in einem Tiny House zu leben (Interhyp, 2019)

Photo by Andrea Davis on Unsplash
 

Die Antwort auf die Frage, was Tiny Houses mit Suffizienz, dem Bemühen um einen möglichst geringen Rohstoff- und Energieverbrauch, zu tun haben, liegt eigentlich auf der Hand: Eine geringere Wohnfläche führt auch zu einem kleineren CO2-Fußabdruck.

Gebäude sind für knapp ein Drittel aller CO2-Emissionen verantwortlich, Tiny Houses allerdings beschränken sich nur auf das Nötigste und nutzen den vorhandenen Platz effizient aus. Je kleiner das Haus, desto weniger Ressourcen werden auch für den Bau und Betrieb benötigt (Schmid, 2019). So haben kleine Häuser einen geringeren Energieverbrauch als konventionelle Häuser, da weniger Fläche beheizt, weniger Lampen beleuchtet werden und generell weniger Haushaltsgeräte als in einem normalen Haus benutzt werden. Die Wissenschaftlerin und Tiny House Bewohnerin Mary Murphy stellt heraus, dass der geringere Energieverbrauch sogar nicht nur auf die geringere Fläche zurückzuführen ist, sondern auch darauf, dass alles auf die Bedürfnisse der Bewohner*innen angepasst werden kann (Kilman, 2016).

Tiny Houses haben die Möglichkeit möglichst autark und damit maximal nachhaltig zu sein. Durch Solarzellen für Warmwasser, Photovoltaik-Anlagen für den Strom, Sammeln von Regenwasser oder das Verwenden einer Komposttoilette, die kein Wasser benötigt, lassen sich die CO2-Emissionen des Hauses noch weiter reduzieren.

Allerdings bedeutet das alles nicht, dass jedes Tiny House automatisch vollkommen suffizient ist: Schlechte Dämmung, als Folge davon, dass das Haus möglichst leicht sein soll und dicke Wände zulasten der Wohnfläche gehen, kann zu einem hohen Energieverbrauch führen. Außerdem werden viele Kleinsthäuser nicht als Hauptwohnsitz, sondern als Ferien- oder Wochenendhaus genutzt und verbrauchen so zusätzliche Ressourcen. Was ebenfalls beachtet werden muss ist, dass die ökologischen Vorteile auch an der Lebensweise und Einstellung der Zielgruppe liegen. Wer sich für ein reduziertes Leben im Tiny House entscheidet, lebt meist grundsätzlich auch generell schon nachhaltiger und bewusster (Schmid, 2019).

Quellen:

Biron, B.: Kleiner Wohnen, URL: https://www.ubm-development.com/magazin/tiny-houses-sind-ein-grosser-trend-beim-wohnen/ Abgerufen am 24.02.2020.
Boeckermann, L.: Dreaming Big and Living Small: Examining Motivations and Satisfaction in Tiny House Living, 10.5.2017, URL: https://scholarcommons.sc.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1133&context=senior_theses, Abgerufen am 24.02.2020.
Focus.de: Tiny-House-Boom in Deutschland: Nach dem Kauf beginnen jedoch die Probleme, 08.10.2019, URL: https://www.focus.de/immobilien/wohnen/tiny-house-boom-in-deutschland-nach-dem-kauf-beginnen-jedoch-die-probleme_id_11213818.html, Abgerufen am 24.02.2020.
Interhyp: Ökohaus, Tiny House und Co.: Studie zeigt Trend zu nachhaltigen und alternativen Wohnformen, 13.02.2019, URL: https://www.interhyp.de/ueber-interhyp/presse/oekohaus-tiny-house-und-co-studie-zeigt-trend-zu-nachhaltigen-und-alternativen-wohnformen.html, Abgerufen am 24.02.2020.
Kilman, C.: Small House, Big Impact: The Effect of Tiny Houses on Community and Environment. In: Undergraduate Journal of Humanistic Studies, Carleton College, 2016. URL:https://pdfs.semanticscholar.org/2732/8c4ba21b4f6ae467210ddffd3edb2da8fa4b.pdf, Abgerufen am 24.02.2020.
Schmid E.: Tiny House und Nachhaltigkeit: Wie nachhaltig sind die Mini-Häuser? 07.05.2019, URL: https://wohnglueck.de/artikel/tiny-house-nachhaltigkeit-3343 ,Abruf am 24.02.2020.
Sven und Sig: Tiny Houses: Wohnen auf kleinem Raum, 16.01.2020, URL: https://www.otto.de/reblog/tiny-houses-1308/ ,Abgerufen am 24.02.2020.
Tinyhousevillage.de: Tiny House Village, URL: https://www.tinyhousevillage.de/ Abgerufen am 24.02.2020.
Umweltbundesamt: Wohnfläche, 22.11.2019, URL: https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/wohnflaeche#zahl-der-wohnungen-gestiegen Abgerufen am 24.02.2020.

#kaufnixChallenge

Suffizienz liegt im Trend, ob beim Wohnen, Konsumieren oder im Bereich der Mobilität. Eine wachsende Zahl an Umweltschützer*innen ist sich einig, dass nur ein suffizientes Leben langfristig die nachhaltige Entwicklung auf unserer Erde garantieren kann.

In unserer einwöchigen #kaufnixChallenge wollen wir Beispiele suffizienter Lebensweisen vorstellen. Wir laden Sie ein, Ihren suffizienten Alltag mit uns zu teilen. Schauen Sie sich die Stufen der Anti-Verbraucher-Pyramide an und prüfen Sie, welche Gewohnheiten Sie bereits jetzt leben – was leihen, tauschen und fertigen Sie?

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Für alle Teilnehmer*innen gibt es eine kostenlose Leseprobe der „35-Tage-Challenge“ von Benjamin und Fabian Eckert, erschienen im oekom Verlag. Darüber hinaus verlosen wir am Ende der Challenge 3×2 Kinotickets für den Film „Vergiftete Wahrheit“ und 5×2 Tickets für die NachhaltigkeitsmesseVeggienale&FairGoods.

Wir freuen uns auf Ihre Einsendungen!

Alle Materialien und eine Kurzbeschreibung der Challenge finden Sie hier.

Warum in die Ferne schweifen

Die Möglichkeit auf Reisen zu gehen, hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellen- und Statuswert, auf den wir nicht verzichten möchten. Deutsche unternahmen im Jahr 2017 circa 70 Millionen Reisen, die länger als 5 Tage dauerten- 50 Millionen davon ins Ausland. (UBA, 2019) Das derzeitige Tourismusmodell ist allerdings alles andere als nachhaltig, sondern geprägt von Kurzurlauben und Flugreisen. (Bah et al., 2017)
Für Natur und Umwelt bedeuten unsere Reisen viel Stress.  Durch An- und Abreise sowie vor Ort genutzte Verkehrsmittel, wird die Natur immens belastet. Die entstehenden Emissionen treiben den Klimawandel deutlich voran. Ein Kreuzfahrtschiff verbraucht zum Beispiel am Tag 476 850 kg CO2 – das ist so viel wie der Verbrauch von 83 678 Autos. (NABU, 2012) Generell sind 75% des Energieverbrauchs und der CO2 Emissionen einer Reise von der Wahl des Verkehrsmittels abhängig. (Gössling; Peeters, 2015)

Auch der Flächenverbrauch ist ein ernst zunehmender Aspekt. Immer mehr Gebäude werden für den wachsenden Tourismussektor gebaut. Durch die vermehrte Versiegelung von Flächen und Zerschneidung der Landschaft, kommt es zu Veränderungen im Wasser- und Bodenhaushalt, was das Risiko für Überflutungen erhöht. Außerdem reisen wir gerne in Länder, die im Sommer oft mit Wasserknappheit zu kämpfen haben. Der durch Touristen verursachte Wasserverbrauch verschärft diese Situation und es kann zu Konkurrenzen zwischen dem Trinkwasserbedarf der Bevölkerung, der Landwirtschaft und dem Tourismus kommen. Nicht selten verlangt es Maßnahmen, wie das energieintensive Aufbereiten von Meerwasser. (UBA, 2019)

Alternative Reisekonzepte: Slow Tourism

Es scheint daher nahezuliegen, die eigene Art des Reisens noch einmal zu überdenken. Das alternative Reisekonzept „Slow Tourism“ zielt auf bestimmte Verhaltensweisen von Reisenden ab. Im Fokus steht ein verändertes Verhältnis des Reisenden zu Zeit, Qualität und Ziel der Reise. Es soll nicht so viel wie möglich in kürzester Zeit gesehen, sondern vielmehr das Vorhandene betrachtet und genossen werden. (Nistoreanu et. al., 2011) Es handelt sich um eine umfassende Tourismuserfahrung, zu der auch Hin- und Rückweg maßgeblich beitragen. (Dickinson; Lumsdon, 2010) Ganz bewusst wird deswegen auf schnelle Transportmittel, wie Flugzeuge verzichtet und lieber Bahn, Bus oder Schiff gewählt. Die Reisedistanzen sind kürzer und die Aufenthaltsdauer an den Zielen länger. Land, Leute und Kultur können auf diese Weise vertieft kennengelernt werden. (Nistoreanu et. al., 2011) Der Begriff „Langsam“ steht daher nicht für Faulheit, sondern kann vielmehr als Entschleunigung bezeichnet werden. (Sachs, 1993)

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Suffizienz und Nachhaltigkeit werden in dem Reisekonzept zwar nicht direkt angesprochen, die Verknüpfung ist jedoch deutlich. Alle Werte des „Slow Traveling“ implizieren einen Abstand zu Konsum, Masse und Schnelllebigkeit. Ganz automatisch verringern sich die Emissionen, wenn man mit der Bahn statt mit dem Flugzeug reist, wenn man nahe Zielorte und die lokalen Speisen sowie kulturellen Angebote wählt. Die Umwelt profitiert vom „Slow Tourism“, ohne das dies das Hauptaugenmerk des Reisenden ist. (Schrader, 2017)
Dabei stützt sich „Slow Travelling“ auf zwei Leitprinzipien:
1. Verbringe mindestens eine Woche am gleichen Ort.
2. Betrachte dein unmittelbares Umfeld. Konkret heißt das am gewählten Zielort anzukommen – nicht nur physisch, sondern auch mit dem Geist und allen Sinnen. (Nistoreanu et. al, 2011)

Die Natur in ihrer Fülle zu erfahren gelingt beim Wandern oder Radfahren ganz leicht. Egal ob Flüsse, Berge, Seen – durch das eigen gewählte Tempo wird die Reise zu einem selbstgestalteten Erlebnis. Apps wie „Komoot“ bieten hierfür eine Vielzahl an Wander- und Radrouten an, die entweder vom Team selbst getestet oder von anderen Nutzern geprobt und bereitgestellt werden. Die Idee für das Start Up hatten 6 „Outdoor-Enthusiasten“ aus Deutschland und Österreich. Seit 2010 kann man mit Karten und Navigationssystem der App, die verschiedensten Orte entdecken. Das Wahlgebiet kann einfach gesucht und die passende Route ausgewählt werden – wieso nicht mal nach Routen in der eigenen Heimat suchen? Wer weiß was es dort noch alles zu entdecken gibt… (komoot.com)

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Quellen:
BAH, A. et al.: „Berlin Declaration on „Transforming Tourism“, 03/2017, URL: http://www.transforming-tourism.org/fileadmin/baukaesten/sdg/downloads/Berlin_Declaration.pdf, online, Abruf am 19.12.2019
DICKINSON, J., LUMSDON, L.: „Slow Travel and Tourism“, 01.01.2010, New York
Gössling, S., Peeters, P.: „Eine Bewertung der Ressourcennutzung des Tourismus – Szenarien einer nicht nachhaltigen Zukunft“, 18.09.2015, in Internetseite Tourism Watch, URL: https://www.tourism-watch.de/de/schwerpunkt/eine-bewertung-der-ressourcennutzung-des-tourismus, online, Abruf am 19.12.2019
Komoot newsroom- Webseite, URL: http://newsroom.komoot.com/?page=3, online, Abruf am 19.12.2019
NABU: „Luftschadstoffemissionen – Vergleich von Kreuzfahrtschiff und PKW“, 2012, URL: https://www.nabu.de/downloads/TabelleVergleichKreuzfahrschiff_Pkw.pdf, online, Abruf am 19.12.2019
Nistoreanu, P., Dorobantu, M., Tuclea, C.: „THE TRILATERAL RELATIONSHIP ECOTOURISM – SUSTAINABLE TOURISM – SLOW TRAVEL AMONG NATURE IN THE LINE WITH AUTHENTIC TOURISM LOVERS.“ 06/2011, in Journal of tourism no. 11, URL: http://www.revistadeturism.ro/rdt/article/view/67/38, online, Abruf am 19.12.2019
Sachs, W.: „Die vier E’s : Merkposten für einen maß-vollen Wirtschaftsstil“, 1993, in  Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH, URL: https://epub.wupperinst.org/frontdoor/deliver/index/docId/66/file/66_Sachs.pdf, online, Abruf 19.12.1019
Schrader, D.: „Suffizienz im und durch Tourismus – Gestaltungsmöglichkeiten einer Tourismustransformation durch produzenten und Konsumenten touristischer Leistungen“ , Bachelorthesis, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geisling, 04.07.2017 URL: https://www.tourism-watch.de/system/files/migrated/bt_d._schrader_suffizienz_im_tourismus_-_kopie.pdf, online, Abruf am 19.12.2019
Umweltbundesamt: „Nachhaltiger Tourismus“, 12.12.2019, URL: https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/nachhaltiger-tourismus#textpart-1, online, Abruf am 19.12.2019