Black Friday – Der alljährliche Konsumwahnsinn

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Der Freitag nach Thanksgiving ist für viele Menschen ein Tag des extremen Konsums geworden. Ursprünglich aus den USA kommend, gibt es den Black Friday seit einiger Zeit auch in Deutschland. Aus welchen Gründen genau der Tag entstanden ist und wieso er Black Friday heißt, ist nicht vollständig belegt. Oft wird auf die Geschäftsinhaber verwiesen, die nach Thanksgiving endlich wieder schwarze, statt rote Zahlen schrieben. Offensichtlich waren die Verbraucher durch den Feiertag und das anstehende Weihnachtsfest, zu einem höheren Konsum bereit. Eine andere Erklärung für den Black Friday stammt aus Philadelphia in den 50er Jahren. Dort sollen Polizisten das durch Touristen und Shopper entstandene Chaos in der Stadt am Tag nach Thanksgiving, als Black Friday bezeichnet haben. Diese konnten sich den Tag nicht freinehmen und mussten oft extra lange Schichten arbeiteten, um die wegen dem Army-Navy football game in die Stadt gekommen Menschenmassen, unter Kontrolle zu bringen. (Pruitt, 2015)

Eine fundierte Erklärung und Rechtfertigung für den übermäßigen Konsum an diesem Tag, gibt es demnach nicht. Sicher ist jedoch, dass der Black Friday nicht ohne erhebliche negative Auswirkungen auf Natur, Umwelt und Produzenten stattfinden kann. Denn das Prinzip ist einfach: Anbieter werben mit Schnäppchen-Preisen, reduzierter Ware und „Top-Deals“, die es im restlichen Jahr nicht gibt. An jeder Ecke wird zu einem ausnahmslosen Konsum aufgerufen und die Verbraucher kaufen und bestellen reichlich. Im letzten Jahr gaben Bürger aus Deutschland an, im Schnitt 200 Euro am Black Friday ausgeben zu wollen. (Rabe, 2019) Die größten Verkaufsbereiche sind hierbei Mode und Accessoires, Kosmetika und Drogerieartikel, sowie technische Haushaltsgeräte. (Suhr, 2019) Der Umsatz am diesjährigen Black Friday und Cyber Monday, soll laut Handelsverband Deutschland bei 3,1 Milliarden Euro liegen. Das ist eine Steigerung von 22 % im Vergleich zum Vorjahr. (IFH Köln, 2019)

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Dieser Konsumwahnsinn endet zum Großteil in unbedachten Käufen von Dingen, die wir eigentlich gar nicht brauchen. Die „Wegwerfgesellschaft“ findet einen weiteren Anreiz blind zu konsumieren- ohne Gedanken an mögliche Folgen. Denn für die billig Preise zahlen andere – die Löhne in den meisten Herstellungsfabriken sind sehr gering und Sicherheitsstandards selten gewährleistet. (Gmeiner, 2019) Viel Konsum bedeutet außerdem auch viel Verpackung und viel Müll. Deutschlands pro Kopf Verbrauch an Plastik- und Verpackungsmüll ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Ein wesentlicher Grund dafür sind Online-Einkäufe, die uns einschließlich hohem Emissionsverbrauch, bis vor die Haustür geliefert werden. Häufig werden diese Produkte wieder zurückgeschickt, woraufhin sie ungenutzt vernichtet oder weggeworfen werden. Die Greenpeace Sprecherin Viola Wohlgemuth, bezeichnet den Black Friday daher passend als „schwarzen Tag für die Umwelt“. (Miller, 2018)

Kauf Nix Tag“ und „Whitemonday“ – den Konsum in Frage stellen

Doch es gibt auch Bewegungen und Initiativen gegen den Massenkonsum. Der „Kauf Nix Tag“ wurde Anfang der 90er von Ted Dave in Vancouver ins Leben gerufen. Er findet am Samstag nach dem Black friday statt und ruft als Pendant dazu auf, einen Tag ohne Konsum zu verbingen. Im Mittelpunkt soll an diesem Tag der bewusste Umgang mit Ressourcen und unserer Umwelt stehen, sowie eine Infragstellung des eigenen Lebensstils: Brauche ich dieses Produkt wirklich? Kann ich mir es vielleicht ausleihen oder gebraucht besorgen?  Kann mich immaterielles nicht genauso glücklich machen? (Knirsch, 2008)

Der „White Monday“ ist eine neuere Bewegung aus Schweden, die Kreislaufwirtschaft und Kreislaufkonsum als Strategie sieht. Er findet seit 2017 am Montag vor dem Black Friday statt. Wege zum Teilen, Mieten, Reparieren, Recyclen, Leihen und Upcyclen werden von Organisationen, Influencern und individuellen Teilnehmern online und offfline verbreitet. Der Konsum wird hierbei nicht komplett ausgeschlossen, aber nur bereits im Kreislauf vorhandene Güter sollen konsumiert werden. (whitemonday.info)

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Es gibt ausreichend Gründe, den Black Friday dieses Jahr ausfallen zu lassen und im Gegenzug den eigenen Konsum zu betrachten. Dabei geht es nicht grundsätzlich um kompletten Verzicht, sondern viel mehr um die Frage, wie man konsumiert. Ein bewusster Umgang mit Produkten und ein gesundes Maß an Genügsamkeit, trägt nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern reicht oft auch zum glücklich sein.

Quellen:
Gmeiner, E.: „Black Friday: Schwarzer Tag für nachhaltigen Konsum Transfair fordert ein verbindliches Lieferkettengesetz“ in: Internetseite Presseportal, 26.11.2019, URL: https://www.presseportal.de/pm/52482/4450536, Abgerufen am 27.11.2019
IFH Köln im Auftrag vom Handelsverband Deutschland: „Black Friday und Cyber Monday“ in: Internetseite Handelsverband Deutschland, 2019, URL: https://einzelhandel.de/blackfriday#pagetop, Abgerufen am 27.11.2019
Knirsch, J.: „Erde retten statt Konsumieren“, Hamburg, 11/2008, URL: https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/Kauf_nix_Tag_2008_0.pdf, Abruf am 27.11.2019
Miller, S.: „Nicht nur am „Black Friday“: Bestellen für den Müll“ in Internetseite: Greenpeace, Hamburg 16.11.2018, URL: https://www.greenpeace.de/presse/presseerklaerungen/nicht-nur-am-black-friday-bestellen-fuer-den-muell, Abruf am 27.11.2019
Priutt, S: „What’s the Real History of Black Friday?“ in: Internetseite History, 20.11.2018, URL: https://www.history.com/news/whats-the-real-history-of-black-friday, Abruf am 27.11.2019
Rabe, L.: „Durchschnittliche geplante Ausgaben pro Kopf am Black Friday in ausgewählten Ländern weltweit im Jahr 2018“ in: Internetseite Statista, 26.11.2019, URL:https://de.statista.com/statistik/daten/studie/943683/umfrage/durchschnittliche-ausgaben-am-black-friday-in-ausgewaehlten-laendern-weltweit/, Abruf am 27.11.2019
Suhr, F.: „Was die Deutschen am Black Friday kaufen“ in: Internetseite Statista, 26.11.2019, URL: https://de.statista.com/infografik/20107/meistgekaufte-produkte-am-black-friday-in-deutschland/, Abruf am 27.11.2019
Whitemonday, FAQ – Website, URL: https://www.whitemonday.info/about, Abruf am 27.11.2019

Unternehmerische Suffizienzstrategien am Beispiel von Premium Cola

Der deutsche Alt-Bundeskanzler Ludwig Erhard oder auch der englische Ökonom John Stuart Mill vertraten bereits vor gut 50 Jahren die Position, dass es eine Ära nach dem wirtschaftlichen Wachstum geben wird. Obwohl zu der Zeit Themen wie die Ressourcenknappheit, Umweltverschmutzung und Überproduktion noch nicht dieselbe Dringlichkeit hatten wie heute, waren sich beide Vordenker darin einig, dass das menschliche Miteinander, sowie soziale und geistige Werte eine Art Renaissance erleben würden und Wohlstand nicht mehr durch materielle, sondern vorrangig durch immaterielle Werte erreicht wird. Schon damals sahen sie als große Schwäche im Wirtschaftssystem, dass die Menschen intrinsisch andere Bedürfnisse haben als die, die Werbung uns zu verkaufen versucht, was früher oder später zu der Erkenntnis führt, dass Konsum uns nicht langfristig glücklich machen kann.

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Wir werden sogar mit Sicherheit dahin gelangen, daß zu Recht die Frage gestellt wird, ob es noch immer richtig ist, mehr Güter, mehr materiellen Wohlstand zu erzeugen, oder ob es nicht sinnvoller ist, unter Verzichtleistung auf diesen „Fortschritt“ mehr Freizeit, mehr Besinnung, mehr Muße und mehr Erholung zu gewinnen.“
(Erhard, 1957, S. 233)

Sich mit weniger zufrieden zu geben scheint tatsächlich zurzeit im öffentlichen Diskurs stärker denn je in den Fokus zu rücken. Ausdrücke wie „Minimalismus“, „Cult of Less“ oder „Voluntary Simplicity“ werden immer häufiger in den Medien besprochen. Gemeint ist ein bewusster Konsum, Verzicht auf Übermäßigkeit und ein kritisches Hinterfragen der eigenen Verhaltensweisen. Immer mehr Menschen kehren dem „Feindbild homo-consumicus“, wie der Postwachstums-Ökonom Niko Paech es ausdrückt, den Rücken zu.

Angesichts dieser Tatsachen stehen Unternehmen im Zugzwang, um weiterhin überleben zu können. Die Forderungen an Unternehmen werden lauter, die Umweltbelastungen zu senken. Bisher war in dem Zusammenhang aber vor allem von Effizienz und Naturverträglichkeit die Rede (Palzkill-Vorbeck & Schneidewind, 2011). Doch nun, da die ökonomische Effizienz und Wachstum zunehmend an ökologische und soziale Grenzen stößt, wird die Rolle der Suffizienz in unternehmerischen Strategien immer größer.

Im Gegensatz zu einer ökologisch orientierten Effizienzstrategie, die einige Unternehmen im Zuge des Nachhaltigkeitsmanagements bereits implementiert haben und darauf abzielt, Umweltverbräuche bei der Produktion zu verringern, geht es bei Suffizienz primär um weniger Produkte. Diese Strategie beinhaltet immer zwei Seiten: erstens wird in der Tat weniger produziert und abgesetzt und zweitens werden diejenigen Produkte hergestellt, welche die Konsumierenden zu einem suffizienteren Lebensstil verhelfen sollen. Außerdem sollten sie das Potenzial haben, andere Produkte vom Markt zu verdrängen um so eine materielle Entlastung zu realisieren und den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Das Konzept der Sharing-Economy liefert einen wichtigen Beitrag, um Produkte unternehmerisch zu entwickeln, die die individuelle Suffizienz unterstützen. „Die Entlastung vom Besitz von Produkten und die damit einhergehende „Entrümpelung“ der eigenen Konsumverhältnisse kann ein Beitrag für mehr Zeitwohlstand sein, den sich Unternehmen dann auch entlohnen lassen können“(vgl. Reichel, 2013).

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Die ökonomische Tauglichkeit von Suffizienzstrategien in Unternehmen wird von dem Getränkehersteller „Premium“ bewiesen. Das Unternehmen hat sich seit der Gründung 1999 selbst keine ökonomischen Ziele gesteckt, was ein langsames Wachstum ohne Druck zur Folge hatte. Statt, wie sonst in der Branche üblich, für ihr Produkt zu werben, hat sich „Premium“ auf die „word-to-mouth“ Werbung verlassen, durch welche die Konsumierenden durch den Mehrwert des Produktes über den Kauf entscheiden sollen. Hinzukommt, dass eine Verhandlung auf Augenhöhe stattfindet, welche die Partizipation der Geschäftspartner*innen fördert und durch die Integration aller Stakeholder Transparenz ermöglicht (Haß, 2014). Ein gemäßigtes Wachstum, welches nicht wie sonst in der Nachhaltigkeitsdebatte auf Effizienz ausgelegt ist, sondern Suffizienz anstrebt, wird von den vier E’s: Entrümpelung, Entschleunigung, Entkommerzialiserung und Entflechtung begleitet (Schneidewind & Palzkill-Vorbeck, 2011).

Die Entrümpelung ist eine Vereinfachungsstrategie, welche die Reduktion auf weniger umfängliche Produktpaletten vorsieht und im Fall „Premium“ zum Beispiel aufgrund von Kosten- und Umweltgründen die Flaschenetikettierung auf ein einziges Stück Papier in schlichtem Design reduziert. Außerdem besteht eine fast vollständige Ressourcenunabhängigkeit, da das Unternehmen nur aus Telefon und Laptop besteht und keine Investition in Bürofläche, Fahrzeuge oder Maschinen notwendig ist. Stattdessen werden für Logistik, Handel und Produktion selbständige Auftragnehmende engagiert, welche die nötigen Ressourcen zur Verfügung stellen ohne dass neue gekauft werden müssen.

Langsamer aber zuverlässiger, durch eine Entschleunigung des Wachstums kann sorgfältiger ausgewählt werden, mit wem gearbeitet wird. Der nächsthöhere Gewinn ist nicht das Ziel, „Premium“ hat sich sogar eine jährliche Wachstumsgrenze von 10% gesetzt, was Pionierfehler vermeidet, da die Märkte langsamer erschlossen werden und somit negative Auswirkungen auf die Umwelt reduziert werden.

Die Entkommerzialisierung der Marke beinhaltet auch, dass negative Aspekte des Produktes, wie gesundheitliche Auswirkungen von einem zu hohem Cola- oder Bierkonsum, kommuniziert werden. Dadurch sollen zwei Effekte erzielt werden: Zum einen ein Verkleinerung des Gesamtmarktvolumens und eine gleichzeitige Vergrößerung des eigenen Anteils im Markt, was sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile bringt. Hinzukommt, dass alle Preise, also auch die Gehälter der Akteure in der Wertschöpfungskette in den Preis des Produktes einfließen und somit Konkurrenzdenken innerhalb der Kette vermieden werden.

Eine Entflechtung durch die Regionalisierung der Produktion, hat kürzere Transportwege zufolge, was nicht nur ökologische Vorteile hat sondern auch ökonomische. So würde sich der Transport von Glasflaschen bei längeren Strecken über 600 Kilometern nicht mehr lohnen.

Wie der Getränkehersteller „Premium“ zeigt, lassen sich Suffizienzstrategien in den Kern eines Unternehmens integrieren und beweist somit, dass sich Wirtschaft und Moral nicht ausschließen. Letztendlich liegt ein Großteil der Verantwortung bei den Unternehmen, welche uns durch gezieltes Marketing davon überzeugen, Dinge zu konsumieren, um Bedürfnisse zu erfüllen, welche vielleicht nicht einmal vorhanden sind. Wenn ein Wandel der Gesellschaft zu einem Wohlstand durch immaterielle Dinge entstehen soll, dann reichen Effizienzstrategien nicht aus, sondern müssen mit Suffizienzstrategien ergänzt werden. Die gesamte Marktgröße kann durch Suffizienzansätze verringert werden und somit einen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung leisten.

Quellen

Erhard, L. (1957). Wohlstand für alle. Econ-Verlag
Haß, M. (2014). Unternehmerische Suffizienzstrategien im Spannungsfeld kompetitiver Wachstumsmärkte und Postwachstums-Debatten. Nürnberg.
Jackson, T. (2011). Wohlstand ohne Wachstum: Leben und Wirtschaften in einer endlichen Welt. Oekom-Verlag.
Reichel, A. (2013). Maß haltendes Wirtschaften in Betrieben: Das Geschäftsmodell des Weniger.
Schneidewind, U. & Palzkill-Vorbeck, A. (2011). Suffizienz als Business Case : nachhaltiges Ressourcenmanagement als Gegenstand einer transdisziplinäre Betriebswirtschaftslehre (Working Paper). Wuppertal: Wuppertal Inst. für Klima, Umwelt, Energie.

Ecoswaraj – Degrowth Konzepte in Indien

Die Idee von Degrowth beziehungsweise Postwachstum bezieht sich meistens auf die Länder des globalen Nordens. Die Industriestaaten sollen ihr Wirtschaftswachstum stoppen oder sogar umkehren, um die planetaren Belastungsgrenzen nicht zu überschreiten. In Ländern wir Indien oder China hat das starke Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte ebenfalls viele negative Auswirkungen, wie etwa die Zerstörung der Umwelt und eine sich verstärkende soziale Ungleichheit. Die reichen Menschen profitieren hauptsächlich vom Wirtschaftswachstum, während marginalisierte Gruppen ausgebeutet werden. Solange die Grundbedürfnisse vieler Menschen noch nicht gedeckt sind, können diese Probleme nicht alleine durch einen Stopp des Wirtschaftswachstum gelöst werden. Stattdessen muss das Konzept von Degrowth an die Länder des globalen Südens angepasst werden, wie das bei der „Radikalen Ökologischen Demokratie“ in Indien geschah.

In Indien formierten sich in den letzten Jahrzehnten viele hunderte kleine bis große Bewegungen. Diese Initiativen bekämpfen einerseits Ungerechtigkeiten, wie etwa den Landraub durch große Unternehmen oder Frauenrechtsverletzungen. Andererseits zeigen sie andere Lebensentwürfe und positive Transformationen. Aus diesen Widerstands- und Wiederaufbaubewegungen entstand „Ecoswaraj“ beziehungsweise die „Radikale Ökologische Demokratie“.

Landlose Dalits protestieren für ihre Rechte

Das Konzept „Swaraj“ wurde durch Gandhi und die Unabhängigkeitsbewegung bekannt und bedeutet übersetzt Selbstverwaltung. Ecoswaraj greift dieses Konzept auf und erweiterte es durch ökologische Aspekte. Die wichtigsten Punkte der „Radikalen Ökologischen Demokratie“ sind ökologische Nachhaltigkeit. Die Gesellschaft solle die planetaren Belastungsgrenzen nicht überschreiten und den natürlichen Kreislauf der Natur schützen. Außerdem ist das soziale Wohlergehen, soziale Gerechtigkeit und Geschlechtergerechtigkeit wichtiger Teil von Ecoswaraj. Soziales Wohlergehen bedeutet hierbei nicht eine Anhäufung des Wohlstands, sondern ein Zurückbesinnen auf alte indische Traditionen wie Genügsamkeit oder einen freiwilligen Minimalismus. Zudem spielt Selbstbestimmung eine wichtige Rolle, weshalb Entscheidungen durch direkte Demokratie gefällt werden. Die Wirtschaft wird ebenfalls demokratisiert, indem lokale Gemeinschaften Kontrolle über Ressourcen und Arbeitsmittel haben und lokales Wirtschaften priorisiert wird. Um Hierarchien zu vermeiden, wird auch Wissen geteilt und modernes und traditionelles Wissen gleichberechtigt behandelt.

Beispiele für „Radical Ecological Democracy“ findet man in ganz Indien. Zum Beispiel ließen Kleinbäuer*innen in Andhra Pradesh und Telangana ökologische Landwirtschaft wieder aufleben, erreichten eine volle Ernährungssouveränität, kollektivierten Ressourcen und Arbeit und sicherten die Grundrechte aller Menschen in der Gemeinschaft. In Zentralindien gewannen Gemeinschaften wie die Mendha-Lekha Gemeinschaft die Kontrolle über die umliegenden Wälder zurück und initiierten eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Vom Verkauf von Bambus und anderen Waldprodukten profitierten die Bewohner*innen der Gemeinde und verbesserten die Stromversorgung. Zur „Ecoswaraj“ Bewegung zählen zudem Bildungseinrichtungen, in denen Schüler*innen nicht nur modernes Wissen und Fähigkeiten erlernen, sondern auch mit ihren kulturellen und ökologischen Wurzeln verbunden bleiben sollen.

Die Mendha-Lekha Gemeinschaft in Maharashtra

Obwohl viele Bewegungen klein und zerstreut sind, konnten einige der Initiativen alternative Lebensweisen aufzeigen und die Politik beeinflussen. Zum Beispiel haben ein dutzend indische Bundesstaaten mittlerweile Förderprogramme oder Richtlinien bezüglich ökologischer Landwirtschaft initiiert. Diese Veränderung wurde durch Bäuer*innen angestoßen, die biologischen Anbau demonstrierten.

Europäer*innen könnte einiges von Radical Ecological Democracy lernen, zum Beispiel dass Suffizienz auch „bottom-up“ organisiert werden kann. Viele Länder des globalen Nordens könnten die Prinzipen Freiheit, Selbstverantwortung und Autonomie stärker in ihre Politik einbinden. Außerdem sollten Personen von indigenen Traditionen und ihrer Art mit der Natur zu leben, lernen.

Quellen:
Kothari, Ashish (2016): Radical Ecological Democracy. Reflections from the South on Degrowth. URL: https://www.degrowth.info/wp-content/uploads/2016/06/DIB_RED.pdf

Mit Suffizienz zum Guten Leben für alle – ein Interview mit Carla Noever und Robin Stock von BUNDJugend

Stellen Sie sich vor, die Dinge, die wir gebrauchen und kaufen, würden keinen riesengroßen ökologischen Fußabdruck hinterlassen oder zur Ausbeutung von vielen Menschen entlang der Produktionskette beitragen. Stellen Sie sich vor, es wäre das oberste Gebot der Menschen, im Einklang mit der Natur zu leben und tatsächlich nur so zu konsumieren, dass wir der Natur nicht schaden. Carla Noever und Robin Stock glauben, dass ein Weg in diese Richtung durchaus möglich ist, wenn Verbraucher*innen und Politik an einem Strang ziehen.

mit suffizienz zum guten leben für alle

Deutsche Umweltstiftung (DUS): Ihr sagt, Suffizienz kann der Schlüssel zum guten Leben für alle sein? Was ist eure Version von einem guten Leben für alle?

Carla Noever (CN): Wir wollen uns natürlich nicht anmaßen, zu entscheiden, was für jeden Menschen „ein gutes Leben“ bedeuten würde. Aber es gibt Anhaltspunkte: Alle Menschen sollten ihre grundlegenden Bedürfnisse decken können und für sie sollten grundlegende Rechte gelten – egal wo sie geboren wurden und wohnen, ob sie nun leben oder erst in 30 Jahren. Für uns beschreibt die Vision eines guten Lebens kurz gesagt ein friedliches, ausbeutungsfreies und solidarisches Zusammenleben der Menschen miteinander und den achtsamen Umgang mit der Natur.

Robin Stock (RS): Damit das möglich wird, müssen wir unseren Ressourcenverbrauch radikal senken – und gleichzeitig Alternativen zur aktuellen Produktions- und Konsumweise möglich machen und verbreiten. Denn mit einer Wirtschaft und Gesellschaft, die auf ungebremstes Wachstum zielt, endliche Ressourcen verschwendet und soziale Ungleichheiten verschärft, ist unsere Vision vom „guten Leben für alle“ nicht vereinbar. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird es eher heißen „besseres Leben für die, die heute schon privilegiert sind“ anstatt „gutes Leben für alle weltweit und in Zukunft“.

DUS: Und welche Rolle spielt Suffizienz in dieser Vision?

Eine sehr zentrale! Nehmen wir das Beispiel Coffee to go-Becher, heutzutage ein Alltagsgegenstand. Wir könnten künftig all unsere Einwegbecher aus Pflanzenfasern herstellen und schön recyceln lassen. Damit verbessern wir vielleicht ihre Öko-Bilanz ein bisschen. Wenn wir aber weiterhin so viele Einwegbecher nutzen wie jetzt, haben wir trotzdem einen riesigen Ressourcen- und Flächenverbrauch! Um eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten zu erhalten, reicht es nicht aus, andere Ressourcen zu nutzen oder diese noch besser zu verwerten. Wir müssen den Ressourcenverbrauch stattdessen absolut senken. Darauf zielt Suffizienz als Nachhaltigkeitsstrategie ab. Suffizienz lenkt unsere Aufmerksamkeit in erster Linie auf die Fragen: Was brauchen wir wirklich? Und: Wieviel ist genug? Also: Brauchen wir wirklich jeden Tag drei Einwegbecher? Oder sollten wir nicht eher unseren Alltag entschleunigen und unseren Kaffee mal wieder vor Ort aus einer Mehrwegtasse trinken? Und: Was hindert uns aktuell daran, dies zu tun?

DUS: Was könnte jeder einzelne von uns konkret tun, damit eine suffiziente Gesellschaft Realität wird?

Da sind zum einen die naheliegenden Maßnahmen: Im Alltag Einwegplastik meiden, im Urlaub mit dem Zug an die Nordsee statt mit dem Flieger nach Thailand, Handy und Co. gebraucht kaufen. Sich individuell für einen ressourcenärmeren Lebensstil stark zu machen ist wichtig. Es stößt notwendige Diskussionen im privaten Umfeld an – oder auch in größerem Maßstab, siehe Fridays for Future und die entflammten Debatten ums Fliegen. Zum anderen ist es aber mindestens genauso wichtig, sich politisch für Suffizienz stark zu machen. Denn damit suffiziente Lebensstile kein bloßes Nischendasein fristen, ist vor allem die Politik gefragt.

DUS: Was meint ihr damit?

Politische Entscheidungsträger*innen müssen Rahmenbedingungen setzen, damit es endlich für alle Menschen ganz leicht und selbstverständlich wird, nicht mehr auf Kosten anderer und der Natur zu leben und zu wirtschaften. Aktuell kostet eine nachhaltige Lebensweise oft mehr Zeit oder Geld – oder wird einem schier unmöglich gemacht. Wer schonmal versucht hat, mit knappem Budget und begrenzten Urlaubstagen möglichst umweltfreundlich in die Ferne zu verreisen, weiß wovon wir sprechen.

Nur zwei Beispiele, wie also Suffizienzpolitik aussehen könnte: Wer will, dass die Menschen nicht mehr so viel Auto fahren oder fliegen, muss für entsprechend attraktive Alternativen im Radverkehr und bei den öffentlichen Verkehrsmitteln sorgen. Wer den CO2-Ausstoß im Energiesektor senken möchte, muss einen sofortigen Kohleausstieg beschließen, anstatt vor allem darauf zu setzen, dass Verbraucher*innen und Unternehmen durch ihr grünes Gewissen angetrieben auf Ökostrom umsteigen.

DUS: Was sind die Ziele eures Projektes und welche zentrale Zielgruppe spricht es an?

Mit unserem Projekt versuchen wir vor allem junge Menschen zu erreichen, die solche Erfahrungen machen: Sie wollen gern nachhaltiger leben, haben aber das Gefühl, sich dafür eine schiefe Ebene hochkämpfen zu müssen. Wir wollen Räume schaffen, in denen junge Menschen gemeinsam diskutieren können, was sich politisch ändern müsste, damit ein nachhaltiges Leben zur naheliegendsten und einfachsten Option wird. In Workshops entwickeln sie Visionen von und Forderungen für eine suffizienzbasierte Gesellschaft. Im Idealfall ergeben sich aus den Workshops dann Aktionsideen, mit denen die Teilnehmenden ihre Forderungen lautstark in die Öffentlichkeit und an die Politik herantragen.

DUS: Ihr habt es ja schon gesagt: Suffizient und nachhaltig zu leben fällt vielen Menschen oft schwer. Vor allem wenn Fleisch und Milchprodukte immer günstiger werden, Flüge günstiger sind als Zugfahrten oder das Obst im Supermarkt aus hygienischen Gründen zwei Mal in Plastik eingepackt ist. Habt ihr Anregungen, wie junge Menschen am besten Druck auf die Politik ausüben können, nachhaltige Lebensstile zu unterstützen anstatt zu erschweren?

In unseren Broschüren und auf unserer Website haben wir verschiedene erprobte Aktionsformate gesammelt. Es gibt sicherlich nicht die eine erfolgsversprechende Strategie und Aktionsform – erfolgreich wird eine Bewegung ja vor allem durch einen bunten Mix, in dem sich viele Menschen wiederfinden können und viele Ebenen angesprochen werden. Du willst vor Ort die Öffentlichkeit für ein Thema sensibilisieren? Das funktioniert gut mit kreativem Protest, mit Straßentheater, Kunstinstallationen, Flashmobs! Du willst deine Forderungen in die Welt tragen? Organisiere Demonstrationen, lade Politiker*innen zu Diskussionsrunden ein, nutze soziale Medien, starte Petitionen! Es gibt natürlich noch ganz viele andere Möglichkeiten. Das Wichtigste ist: Organisiert euch, habt Spaß und bleibt hartnäckig!

DUS: Welche konkreten Gebiete sollten eurer Meinung nach am dringendsten mit einer Suffizienzpolitik bedacht werden?

Tatsächlich ist es schwierig, hier eine Auswahl zu treffen. Im Projekt haben wir uns ganz konkret mit bestimmten Politikfeldern auseinandergesetzt, beispielsweise mit Mobilität und Digitalisierung. In diesen Politikfeldern ist gerade viel Bewegung drin – da ist es wichtig, dranzubleiben und konkrete Forderungen zu stellen. Letztlich müsste Suffizienzpolitik aber – ähnlich wie es ja gerade unter dem Schlagwort „Klimanotstand“ für klimapolitische Überlegungen gefordert wird – in alle Politikfelder integriert werden. Suffizienzpolitische Maßnahmen sind schließlich auch für eine nachhaltige Stadtplanung oder für eine faire und ökologisch zukunftsfähige Wirtschaftspolitik zentral. Nicht zuletzt für die Sozial- oder Arbeitsmarktpolitik spielt Suffizienzpolitik gemeinsam mit Umverteilungsmaßnahmen eine sehr wichtige Rolle:  Denn wer „genug“ hat – genug soziale Absicherung, genug Zeit, genug finanzielle Mittel – kann sich leichter um eine nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise bemühen und sich in politische Prozesse einbringen. Suffizienzpolitik ernst zu nehmen heißt schließlich, unser derzeitiges Wirtschaftssystem ordentlich umzukrempeln.

über die Interviewpartner*innen
©Carla Noever
©Robin Stock

Robin Stock und Carla Noever Castelos arbeiten für die BUNDjugend im Projekt „Gutes Leben für alle – junge Stimmen in der Suffizienzpolitik“. Robin war zuvor für verschiedene Organisationen im Kontext der Entwicklungspolitik und Bildung für Nachhaltigkeit tätig. Carla engagiert sich in den Bereichen globale Gerechtigkeit und Klimagerechtigkeit.

Campen fürs Klima vor dem Bundeskanzleramt

Vom 19. – 27. September fand in Berlin das zweite We4Future Camp statt. Neun Tage campten Klimaaktivist*innen vor dem Bundeskanzleramt und veranstalteten verschiedene Workshops zum Thema Klima- und Umweltschutz. Während des ersten We4Future Camps im Juni wurde der zivile Klimanotstand ausgerufen. Wir von der Deutschen Umweltstiftung haben das Camp besucht und erzählen von unseren Erfahrungen:

Am Dienstag wurde ein Workshop mit anschließender Diskussionsrunde über das Thema „Müssen wir über Verzicht debattieren?“ angeboten, in welchem die „Imperiale Lebensweise“ des globalen Nordens kritisch beleuchtet wurde. Ausgangspunkt des Vortrags war die Annahme, dass durch die Konsummuster der früh-industrialisierten Länder auf Kosten der Menschen des globalen Südens gelebt wird. Die dadurch entstandene soziale Ungerechtigkeit ist Teil der Klimakrise und hat in einigen Teilen der Bevölkerung eine moralisierende Debatte des Verzichtes im Sinne einer gerechteren Welt mobilisiert. Ziel des Workshops war es zu erarbeiten, wie der Verzicht zu einer positiven und politischen Debatte umgewandelt werden kann, welche alle Milieus erreicht und an den alltäglichen Bedürfnissen der Bevölkerung anknüpft.

Die Teilnehmenden des Workshops waren zum Großteil sehr vertraut mit den Auswirkungen der konsumorientierten westlichen Gesellschaft und dementsprechend in ihren eigenen Verhaltensweisen reflektiert. Menschen, die sich schon sehr ausführlich mit ihren Konsummustern auseinandergesetzt haben und zu dem Schluss gekommen sind, dass persönliche Kaufentscheidungen nur einen kleinen Beitrag zu einer nachhaltigen und gerechten Welt leisten können. Die Handlungsoptionen beim Einkaufen oder bei der Wahl des Verkehrsmittel sind nur beschränkt und können das Ausmaß der ausbeuterischen Industrienationen nicht grundlegend und vor allem nicht schnell genug verändern. Die Dringlichkeit das System an die Bedürfnisse der Menschen anzupassen fordert die Politik dazu auf konkrete Maßnahmen für eine global tragbare Lebensweise umzusetzen.

Letztendlich waren sich Teilnehmenden des Workshops einig, dass die Gesellschaft zwar durch ihre persönlichen Handlungsentscheidungen nur wenig bewirken kann, es dennoch wichtig ist, dass weiterhin Druck auf die Politik ausgeübt wird. Hinzukommt, dass ein nachhaltiger Konsum von ökologisch und sozial tragbaren Produkten von der Bevölkerung ein monetärer und zeitlicher Mehraufwand bedeuten würde, welcher aufgrund begrenzter Ressourcen für die meisten sozialen Milieus nicht möglich ist. Die Verantwortung liegt nicht allein bei den Konsumierenden und muss auch von der Politik und anderen „global players“ anerkannt werden, damit eine Transformation zu einer sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Gesellschaft entstehen kann.

An drei Tagen luden Vertreter*innen von Fridays for Future zu der Veranstaltung „Politiker*innen fragen – Fridays for Future antwortet“ ein. Dazu wurden Einladungen an alle im Bundestag vertretenen Parteien geschickt, nur von der AfD kam keine Rückmeldung. Als wir am Donnerstag das Klimacamp besuchten, bereiteten sich Vertreter*innen von Fridays for Future auf die Diskussion mit den Politiker*innen vor. Wie kann man Politiker*innen davon überzeugen, Klimaschutz zu priorisieren, wenn sie es selbst nicht als wichtiges Thema empfinden? Wie solle man auf Ausweichfragen reagieren, z.B wenn die Aktivist*innen gefragt werden, was sie persönlich für den Klimaschutz machen? Diese Fragen wurden diskutiert, während die Aktivist*innen auf das Eintreffen der Politiker*innen warteten. Während unseres Besuches erschien nur Isabel Mackensen, Bundestagsabgeordnete der SPD, die zunächst allgemeine Fragen über das Klimacamp und die Motivation der Fridays for Future Aktivist*innen stellte.

Außerdem fragte Isabel Mackensen, wie Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit miteinander vereinbar seien. Denn von den Klimaschutzmaßnahmen seien vorwiegend Menschen niedrigeren Einkommens betroffen, so die Politikerin. Diese Behauptung wurde von einem Aktivisten zurückgewiesen. Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit seien keine Gegensätze: Man könne ihn sozial gerecht gestalten, indem man zum Beispiel die CO2 Steuer gemeinsam mit einer Klimadividende einführt. Das bedeutet, das jegliche Einnahmen aus der CO2 Steuer gleichmäßig an alle Bürger*innen zurückgezahlt werden. Dementsprechend müssten nur Menschen, die sehr klimaschädlich leben (das sind hauptsächlich reiche Menschen) höhere Abgaben durch die CO2 Steuer zahlen. Menschen, die weniger CO2 Emissionen verursachen als die Durchschnittsbevölkerung (das sind meistens Menschen mit niedrigem Einkommen) profitieren sogar von dieser CO2 Steuer. Von diesem Konzept hat die Politikerin zuvor noch nicht gehört, versprach aber, sich über die Klimadividende zu informieren. Die Aktivist*innen betonten außerdem, fass es ihnen um Klimagerechtigkeit ginge. Von den Folgen eines Klimawandels sind die Menschen am stärksten betroffen, die ihn am wenigsten verursacht haben. Diese Ungerechtigkeit wolle Fridays for Future bekämpfen. Selbst wenn wenige Menschen von Klimaschutzmaßnahmen negativ betroffen seinen, müsse man das Klima trotzdem schützen, da es keine Alternative dazu gibt.

Zum Abschluss stellten die Aktivist*innen Fragen an Isabel Mackensen. Warum setze sich die Politik nicht stärker für Klimaschutz ein, obwohl ihnen die Konsequenzen eines Klimawandels bewusst seien? Die Politikerin antwortete, die Politik müsse auch die Menschen mitnehmen, die z.B. nicht an Erneuerbare Energien glauben. Wenn man zu radikalen Klimaschutz betreibe, würden die Menschen abgeschreckt und schlössen sich rechten Parteien an. Sie habe Angst davor, dass durch einen Rechtsruck Parteien an die Macht kommen, die Freiheiten einschränken. Davor habe sie mehr Angst als vor einem Klimawandel. Dass jedoch durch einen starken Klimawandel sehr viele Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssen und soziale Ungerechtigkeiten verstärkt werden, was wiederum zu einem starken Rechtsruck führen kann, bedachte die Politikerin nicht. Das Klimaschutzpaket sei ihrer Meinung nach bereits ein Schritt in die richtige Richtung und sie hoffe darauf, dass dieses Paket in den nächsten Monaten ausgeweitet wird.

Insgesamt verlief die Diskussion sehr konstruktiv. Trotz der teils verschiedenen Positionen zeigte die Politikerin Verständnis für die Positionen von Fridays For Future. Außerdem war sie offen für die Vorschläge der Jugendlichen. Es bleibt zwar fraglich, ob solche Gespräche zu politischer Veränderung führen, allerdings schadet es nie, Diskussionen mit Menschen außerhalb der eigenen „Blase“ zu führen. 1